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Einige Mittheilungen über Zusammensetzung und Structur granitischer Gesteine.

Rosenbusch, H.

Kurzfassung

Es ist gewiss eine auffallende Erscheinung, dass bisher die Gruppe der granitischen Gesteine noch nicht Gegenstand einer mikroskopischen Gesammtuntersuchung geworden ist, während doch so viele andere Gesteine - und um so mehr, je kryptomerer sie waren - in den vergangenen Jahren mikroskopischer Ueberproduction ihre Bearbeiter gefunden haben. Und doch hätten gerade die granitischen Gesteine eine solche Arbeit mehr als irgend eine andre Gruppe verdient und - belohnt. Ich beabsichtige keineswegs eine Monographie dieser Gesteine zu liefern, sondern ich möchte nur auf einige Punkte hinweisen, welche dieselben in innigerer Beziehung zu anderen Gesteinsgruppen erscheinen lassen. Kein andres ungeschichtetes Gestein tritt in solcher Verbreitung und in so gewaltigen Massen auf, wie der Granit und bei keinem andern sind alle Versuche, eine zur Klarheit nothwendige Gliederung aufzustellen und zur allgemeinen Annahme zu bringen, so gründlich gescheitert. Unter dem Sammelnamen Granit fassen wir Gesteine zusammen, die sich wenigstens eben so fern stehen, wie Diorit und Diabas, und während wir es als eine unleidliche Verwirrung ansehen würden, diese zusammenzuwerfen, ertragen wir den gleichen Zustand beim Granit ohne alles Bedenken. Nur eine strenge Systematik kann Klarheit in die Begriffe und Definitionen bringen; man sollte daher nicht mit einem Namen verschiedene Dinge bezeichneu; und wie viele nach geologischem Vorkommen, chemischer und mineralogischer Zusammensetzung und nach ihrer Structur grundverschiedene Dinge benennen wir mit dem einen Namen Granit! Es ist mir nach Analogie der Erfahrungen bei anderen Gesteinsklassen und nach eigener Beobachtung durchaus wahrscheinlich, dass eine schärfere Gliederung dieser wichtigen Gesteinsgruppe nach den genannten Verhältnissen zu überraschendem Einblicke in manche Räthsel derselben führen wird.