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einige mehr oder weniger gut erhaltene Reste von Mastodon-Zähnen welche aus einem tertiären Thonmergel bei Fulda stammen

Speyer, O.

Kurzfassung

Der betreffende neuere Fund ist von um so grösserem Interesse, weil mit demselben nicht allein das Vorkommen einer zweiten Art dieses Probosciden bei Fulda erwiesen, sondern damit auch über das Alter der dortselbst auftretenden Tertiärschichten einiger Aufschluss gewonnen worden ist, zumal die in Hessen verbreiteten, in ähnlicher Lagerung vorkommenden Tertiärbildungen anderwärts noch keine animalen Einschlüsse geliefert haben. Bereits im Jahre 1865 wurden zwar bei der Anlage der Bebra-Fuldaer Eisenbahn in einem kleinen Einschnitt östlich der genannten Stadt die ersten Reste von Mastodon aufgefunden - dieselben sind in der Sammlung des Vereins für Naturkunde aufbewahrt -, worüber der Vortragende im amtlichen Bericht der 40. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in Hannover p. 144 ff. Mittheilung gegeben. Bei dem Mangel des erforderlichen Vergleichungsmateriales konnte jedoch damals über die Art, welchen jene ersten Findlinge angehörten, nur so viel festgestellt werden, dass man es mit einem Trilophodon aus der nächsten Verwandtschaft des Mastodon Turicensis zu thun habe, bis H. v. Meyer einige Jahre später jenen ersten Fund von Backzähnen und Stosszähnen als eine neue Art deutete und dieselben als Mastodon virgatidens im XVII. Bd. der Palaeontographica näher beschrieb und abbildete, jedoch keinen Schluss auf das Alter der betreffenden Lagerstätte zog. An genannter Localität und aus demselben geognostischen Niveau, in welchem Mastodon virgatidens aufgefunden, wurden einige Jahre später weitere Mastodon-Reste - die vorgelegten - ausgegraben, welche in einem vollständigen unteren Backzahn, und der Hälfte eines oberen letzten Zahnes und mehreren Stücken mit stark abgekauten Oberflächen bestehen. Herr Beyrich gab im Anschluss hieran einen kurzen Ueberblick über die geologische Entwickelung der Tertiärbildungen der Fuldaer Gegend und betonte besonders die Wichtigkeit des Fundes von Mastodon-Zähnen bei Fulda, weil die in Hessen verbreiteten in ähnlicher Lagerung vorkommenden Tertiärbildungen anderwärts noch keine animalen Einschlüsse geliefert haben. Die betreffenden Ablagerungen, welche jetzt den Sanden von Eppelsheim parallel gestellt werden können, sind in Niederungen abgelagert und stehen überall ausser Beziehung zu den Basalten, welche die höher gelegenen älteren Tertiärbildungen der Rhön und des Meissners bedecken.