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Ueber eine neue Berechnung der Quantitäten der Gemengtheile in den Vesuvlaven.

Roth, Justus

Kurzfassung

Schon vielfach ist der Versuch gemacht, aus der Bauschanalyse der Vesuvlaven die Quantität der einzelnen Gemengtheile zu berechnen, aber mit geringem Erfolg. Makro- und mikroskopisch kennt man darin: Leucit, Augit, Magneteisen, Nephelin, Olivin, Glimmer, Sanidin, triklinen Feldspath, Apatit; ein Mal fand Zirkel Hauyu. Wie es scheint, findet sich nur in Poren und Drusen Sodalith, Melanit, Hornblende. Wenn die beiden ersten Mineralien wirklich als Gemengtheile vorkommen, so sind Analogien aus anderen Leucitgesteinen bekannt. Hornblende kennt man bisher in Vesuvlaven nur als Sublimat, Quarz ist nie als Gemengtheil gefunden. Ausser den genannten Mineralien tritt in den Vesuvlaven Glasbasis in grösserer oder geringerer Menge auf; Glaseinschlüsse und halb oder ganz entglaste Einschlüsse (sogenannte Schlackeneinschlüsse, stone-cavities Sorby) finden sich in den beiden Hauptgemengtheilen Leucit und Augit häufig in reichlichem Maasse. Die chemische Zusammensetzung dieser Glasmassen, von denen namentlich die Glasbasis in Betracht kommt, kennt man nicht, und nach dem bisher Bekannten lässt sich ihre Zusammensetzung aus den Bauschanalysen kristallinischer Gesteine, in denen sie auftritt, weder im voraus bestimmen noch berechnen. Aus Vesuvlaven sind nur Leucit, Augit und Olivin analysirt. Die Analysen dieser Leucite (aus Laven von 1811, 1845 und 1858) gaben bei Rammelsberg ein Maximum von 0,93 % Natron und von 0,91 % Kalk, Abich fand in seinem glasigen Leucit (aus Lava von 1834) bekanntlich 10,40 % Kali und 8,83%, Natron. Die 3 Analysen der Augite liefern Magnesia und Kalk nahezu in denselben Verhältnissen, das Eisenoxyd ist nur von Wedding bestimmt, die Menge des Eisenoxyduls ist also fraglich, während die Menge der Thonerde wechselt von 4,42 bis 8,63 %. Der von Kalle analysirte Olivin entspricht der Formel 7 MgO + 1 FeO + 4 SiO2. Dass Titaneisen, bisweilen wenigstens, vorhanden ist, lehren die Untersuchungen von Rammelsberg. Ueber den etwaigen Natrongehalt des Sanidins und die Art des triklinen Feldspathes lassen sich gegründete Vermuthungen nicht aufstellen; dass der trikline Feldspath Anorthit sei, ist möglich, aber nicht bewiesen. Nimmt man auch die Zusammensetzung der übrigen Gemengtheile gleich an mit der sonstiger Vorkommen, so bleiben dennoch die Grundlagen für die Berechnung der Quantitäten der einzelnen Gemengtheile höchst unsicher, wie schon früher ausgesprochen wurde.