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Über seine neuesten Untersuchungen über fossile Spongien.

Zittel, Karl A.

Kurzfassung

Nach einer kurzen Uebersicht der älteren Anschauungen über die Classification dieser Classe zeigte der Vortragende, dass in Folge der Tiefseeforschungen und der damit zusammenhängenden spongiologischen Forschungen W. Thomson's, O. Schmidt's, Carter's, Haeckel's, Bowerbank's und Marshall's die Kenntniss der sogen. Glasschwämme mit zusammenhängendem Kieselgerüst wesentlich gefördert wurde. Dass sich an die lebenden Hexactinelliden und Lithistiden mehrere fossile Spongien anschlössen, ist von den genannten Autoren sicher nachgewiesen worden; für die Mehrzahl der fossilen ,Petrospongien" blieb indess die Bestimmung durchaus unsicher. Diese Unsicherheit wird hauptsächlich veranlasst durch den eigentümlichen Erhaltungszustand der fossilen Spongien. Dass dieselben keine Hornspongien sein können, geht sowohl aus chemischen als morphologischen Gründen hervor. Der Redner sucht nachzuweisen, dass die Mehrzahl der Petrospongien nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form in den Erdschichten vorliegen, sondern dass die meisten derselben eine allerdings ungewöhnliche Umwandlung erlitten haben. Zahlreiche Versuche, die fossilen Spongienskelette mittelst verdünnter Säure zu maceriren, haben das Resultat geliefert, dass an ein und demselben Schwammkörper zuweilen ein Theil verkieselt, der andere verkalkt erscheint. Da die aus Kieselerde bestehenden Partieen bis auf die feinsten Details mit den bei lebenden Hexactinelliden beobachteten Verhältnissen übereinstimmen, die verkalkten dagegen aus einem krystallinischen Kalkspath ohne alle Spur organischer Structur bestehen, so muss hier eine Pseudomorphose von Kalkspath nach Kieselerde angenommen werden; bei der Zartheit der Kieselfasern und bei der Anwesenheit von weilen Axencanälen wird alkalischen Lösungen eine so grosse Oberfläche dargeboten, dass sich eine Auflösung und Fortführung des ursprünglichen Kieselskelettes leicht erklären lässt.