Original paper

Über die obertertiären Bildungen bei Girgenti in Sicilien:

Stöhr, E.

Kurzfassung

Ich erlaube mir ein Profil vorzulegen, das classischen Boden zum Gegenstande hat, die Umgegend von Girgenti, und möchte dasselbe für sicilianische Geologie von einiger Bedeutung sein. Es ist nämlich in Sicilien ungemein selten, da so viele Störungen, Hebungen wie Senkungen, vorhanden sind, ein Profil zu finden, das in ununterbrochener Reihenfolge eine grössere Anzahl Schichten normal abgelagert umfasst. Ein solches Profil ist das vorgelegte, das, von den jüngsten Tertiärbildungen beginnend, bis zur Schwefelformation in ununterbrochener concordanter Lagerung hinabreicht. Das Profil beginnt am, Meere and geht in nördlicher Richtung über die antike Tempelruine der Concordia, zum Oratorio des Phalaris und zur Rupe atenea, dem höchsten Felsgipfel, von dem die Verbrecher herabgestürzt wurden, hinab in's Thal zur neuen Eisenbahnstation und reicht bis zum Hügel von S. Giuseppe, der aus löchrigem Kalke besteht, bezüglich dessen, der Unterlage der Schwefelformation, ich auf meinen vorjährigen Vortrag in München verweise. Die Stadt Girgenti liegt etwas westlich von diesem Profile und erreicht die Bergkette, die von Ost nach West streicht und auf der sie liegt, in der Rupe atenea ihre grösste Höhe, 351 M. über dem Meere; Girgenti liegt 330 M. hoch, und ein noch westlicher gelegener Berg, der Monserrato, das alte Lager Hamilcar's, ist 316 M. hoch. Zuoberst, den Kamm der Berge einnehmend, liegt eine gelbe kalkige Muschelbreccie, voller Conchylienreste, meist jedoch nur in schlecht erhaltenem Zustande als Steinkerne. Es sind aus dieser gelben Breccie die Häuser des heutigen Girgenti erbaut und ebenso die alten Tempelreste. Darunter liegen Sande und Thone von blaugrauer Farbe, die ebenfalls voller Versteinerungen sind, jedoch nicht in dem Maasse, wie die gelbe Breccie.