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Mont-Blanc-Studien.

Pfaff, Fr.

Kurzfassung

II. Fast auf jedem Schritt und Tritt sieht sich die dynamische Geologie genöthigt, wenn sie ihrer Aufgabe, die Bewegungserscheinungen der Erdrinde zu erklären, nachkommen will, das Volumen der Massen, um die es sich handelt, irgendwie zu bestimmen, oder darauf zu verzichten, eine befriedigende Erklärung zu geben, sofern man unter letzterer nicht nur eine allgemeine Bezeichnung der Kraft, wie Schwere, Hebung, Abtragung durch das Wasser u. dergl. versteht, sondern auch die Intensität und das Maass der wirksamen Kraft zu einer solchen für erforderlich hält. Richten wir unser Augenmerk zunächst auf die Masse des über dem Meeresspiegel sich befindenden Festen, so können wir hier das Volumen desselben für die einzelnen Continente als mittlere Höhe der Continente berechnen, wie es A. v. Humboldt durchgeführt hat. Dabei ist weiter kein Unterschied zwischen dem Volumen der Tiefländer, Plateauländer und der eigentlichen Gebirge gemacht. Gerade die letzteren sind aber für den Geologen von besonderer Wichtigkeit, und die Orometrie, wie v. Sonklar den Theil der geographischen Wissenschaften genannt, welcher sich mit dem Ausmaasse und der Darstellung der räumlichen Verhältnisse der Gebirge beschäftigt, ist für die dynamische Geologie eine der wichtigsten Hilfswissenschaften. Ein doppeltes ist es, was wir für geologische Fragen oft zu wissen nöthig haben: 1) das Volumen einer gewissen Masse, sei es eines einzelnen Berges oder einer Kette, die Quantität einer noch vorhandenen Gesteinsreihe, aber auch 2) das Volumen der zwischen diesen vorhandenen leeren Stellen, der Hohlformen des Bodens, wie sie v. Sonklar mit einem allgemeinen Namen bezeichnete, Thal, Schlucht u.s.f., also die Quantität des fehlenden, meist fortgeschafften Materials. Für die Frage nach der Thalbildung, der Wirkung des flicssenden Wassers, ist es dieser zweite Punkt, welcher von besonderer Wichtigkeit ist. Selbst mit einer sehr grossen Anzahl von Höhenangaben ist es immerhin eine sehr schwierige, oder richtiger in ihren Resultaten sehr unsichere Aufgabe, durch Rechnung dieses fehlende Material zu bestimmen. Dagegen können wir dieses, wie auch die Bestimmung des Volumens der vorhandenen Gesteinsmasse sehr leicht und auch ziemlich sicher, wenn wir eine im grösseren Maassstabe ausgeführte Reliefkarte, sei es eines ganzen Gebirges oder eines Theiles desselben, haben. Zu verschiedenen Zwecken war es mir wünschenswert, ein genaues Relief des Mont-Blanc-Massivs zu haben, und da mir kein passendes, in grösserem Maassstabe ausgeführtes irgendwoher zu beziehen möglich war, entschloss ich mich, selbst ein solches anzufertigen.