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Die Fauna der sogen. Beyrichien- oder Choneten-Kalke des norddeutschen Diluviums.

Krause, Aurel

Kurzfassung

Unter dem Namen ,,Beyrichien-'' oder ,Chonetenkalk" wird bekanntlich ein in unseren diluvialen Ablagerungen weit verbreitetes Gestein verstanden, das durch seine organischen Einschlüsse, sowie durch seine petrographische Beschaffenheit sehr wohl charakterisirt ist. Nach Ferdinand Roemer, der zuerst eine genauere Classification der Diluvialgeschiebe geliefert hat, ist es ,ein grünlich-grauer, in plattenförmigen, gewöhnlich nur wenige Kubikzoll grossen, selten mehr als handgrossen Stücken vorkommender, dichter Kalkstein, paläontologisch vorzugsweise bezeichnet durch Chonetes striatella, Beyrichia tuberculata und Rhynchonella nucula". Hinzuzufügen ist dieser Beschreibung nur, dass diese Kalksteine bräunlich bis schmutzig weiss oder gelblich verwittern, und dass häufig in demselben Handstück thonige, versteinerungsleere Lagen mit mehr kalkigen, petrefactenreichen wechseln. Seltener wird das Gestein auch conglomeratisch oder breccienartig. Die grosse Masse des Gesteins ist an ihrer petrographischen Beschaffenheit meist leicht zu erkennen, sodass Jeder, der unseren Diluvialgeschieben seine Aufmerksamkeit widmet, sehr bald im Stande ist, hierher gehörige Stücke auf den ersten Blick herauszufinden. In besonderen Fällen jedoch können nur die organischen Einschlüsse eine sichere Erkennung des Gesteins ermöglichen, da sich sowohl Geschiebe von annähernd gleicher petrugraphischer Beschaffenheit finden, die sich durch ihre Fauna als verschieden herausstellen, als auch andrerseits manche Beyrichienkalke einen abweichenden Habitus zeigen. Nur wenige andere Geschiebe zeigen eine so allgemeine Verbreitung in unseren Diluvial-Ablagerungen, wie der Beyrichienkalk Von Goldingen in Kurland, dem östlichsten Punkt, an welchem sie sich nach Grewingk finden, bis nach Gröningen in Holland einerseits, von den Küsten der Ost- und Nordsee bis an den Fuss der mitteldeutschen Gebirge andrerseits sind sie fast überall vorhanden, wo überhaupt diluviale Geschiebe gefunden werden. Ihr Verbreitungsgebiet fällt deshalb mit dem des norddeutschen Diluviums fast völlig zusammen, sodass die Grenzen des letztern sich im Allgemeinen aus ersterem ergeben.