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Campligia

Herter, Paul

Kurzfassung

In der Umgegend von Campiglia, die an eigentümlichen Mineralvorkommeti so reich ist, bat neuerdings die Auffindung von Zinnstein unter seltsamen Verhältnissen stattgefunden und ich kann nicht unterlassen, Ihnen das Wenige mitzutheilen, was ich vor einigen Tagen bei einem flüchtigen Besuche gesehen und in Erfahrung gebracht habe. Der südwestliche Ausläufer gegen die Niederung des aus älteren Schichten bestehenden Gebirges von Campiglia, der den Winkel zwischen der Via Emilia und der von ihr nach Campiglia führenden Strasse einnimmt, Monte Valerio genannt, ist ein niedriges, ziemlich coupirtes Hügelsystem mit der gewöhnlichen maremmanischen Haidevegetation bedeckt und besteht aus den massigen Bänken eines dichten perlgrauen, vielfach von Kalkspathschnüren durchzogenen Kalksteins, in der Gegend als Calcare dell' allumiere bekannt. Er ist versteinerungslos und sein Verhalten zu den rothen Ammonitenkalken vom Monte Calvi unbekannt, deshalb mag dahingestellt bleiben, ob man ihn mit Recht der Kreideformation zurechnet. In diesem Terrain finden sich an vielen Stellen unregelmässige Massen von Brauneisenstein innig mit dem Kalkstein verwachsen, der alsdann gegen die Grenze eine röthliche Farbe annimmt. Es sind das die auf Ihrer Karte von Campiglia (s. diese Zeitschr. 1868 Taf. IV.) als No. III. angegebenen Eisensteingruben des Monte Valerio. Keine Spur der die grossen Gangzüge des Temperino und der Cava del Piombo begleitenden Eruptivgesteine findet sich am M. Valerio. Obschon auch hier, wie überall nach italienischem Gebrauche Filoni genannt, hat man es nicht mit Gängen oder Lagern zu thun, sondern es sind unregelmässige stockförmige Massen, Concretionen, in innigster Verbindung mit dem Nebengestein, wie die betreffenden Handstücke illustriren. Auf diesen Lagerstätten, welche nichts Eigenthümliches bieten, wurde zu verschiedenen Zeiten mit vielen Unterbrechungen ein Eisensteinbergbau getrieben, der wohl in Folge der benachbarten kolossalen Massen von Elba niemals von grosser Bedeutung gewesen, obschon er Spuren antiker Arbeit erkennen lässt.