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Untersuchungen in Ecuador

Wolf, Theodor

Kurzfassung

Ich bin jetzt in Ecuador der Einzige, der sich noch um Mineralogie und Geologie kümmert, seitdem P. Dressel aus Quito weg ist und das ganze Polytechnikum in's Nichts zurücksank. Wenn man so ganz isolirt steht und mit keinem einzigen Menschen seine Ideen austauschen kann, so thun einem wissenschaftliche Nachrichten aus der fernen Heimath doppelt wohl (Briefe an mich immer nach Guayaquil); sie frischen den Geist auf, wenn er, wie der Körper, im heissen Tropenklima zu erschlaffen droht. - Meine letzte Untersuchung war der Provinz von Azuay (Cuenca) gewidmet. Auch diese Provinz war, wie die von Loja, noch fast ganz unbekannt; es ergaben sich wieder interessante geologische Resultate. Als practisch wichtig nenne ich nur den grossen Goldreichthum der Ostcordillere (Seifen), welche hier aus Urschiefern besteht. Westcordillere ähnlich wie in Loja: Porphyre. Der Knoten des Azuay: Andesit. Die vulkanische Formation schliesst aber mit diesem Gebirgsstock nicht ab, wie man bisher glaubte; vielmehr folgen gegen Süd bis an die Grenzen der Provinz Loja, noch zwei bedeutende Gruppen vulkanischer Gesteine, die noch nicht beachtet worden waren und darunter sind echte Trachyte mit Orthoklas und Plagioklas, und ungemein quarzreiche Andesite, die in der Petrographie einzig dastehen dürften! Ich habe eine geographische Karte der Provinz entworfen in grossem Maassstabe und eine reducirte geologische. Ich gebe jetzt nicht in's Detail meiner Untersuchungen ein, weil ich gedenke, einen deutschen Aufsatz über die beiden Provinzen von Loja und Cuenca zu schreiben. Aus Quito erfahre ich, dass man mit dem Druck meiner letzten Arbeit begonnen hat. Meine Arbeit über Loja wurde wegen der politischen Unruhen nicht gedruckt und ist auf unbegreifliche Weise aus dem Ministerium verschwunden.