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Über ein neues, ganz locales Braunkohlen-Vorkommen bei Wienrode am Nordrande des Harzes

Lossen, K. A.

Kurzfassung

In einer golfartigen Einbuchtung des hercynischen Schiefergebirges, die man bisher nur mit hercynischem Schotter und Lehm ausgefüllt wähnte, sind unter dergleichen 7 - 10' mächtigen Schuttmassen oder aber seltener nur von Alluvium bedeckt oder frei zu Tage ausgehend, weissliche Sande, grauer Thon und Thonmergel mit Braunkohle an verschiedenen Stellen erbohrt worden, so dass man anzunehmen berechtigt ist, der ganze Golf sei von dieser Kohlen-führenden Formation erfüllt. Bei Wienrode selbst will man 50' feste Braunkohle erbohrt haben; man fördert dieselbe aus einem Tagebau seit Mitte des Jahres 1876. Weiter gegen Thale zu, auf preussischem Boden (auf dem sogen. ,Rübchen"), ist neuerdings laut Mittheilung des Obersteigers Weiler unter 3 M. Dammerde 1,2 M. Sand, 0,5 M. Schmierkohle, 19,6 M. reine Braunkohle erbohrt worden. Nach Cattenstedt zu waren dahingegen die Bohrversuche weniger günstig ausgefallen (12' Kohle); doch will man auch hier bei 150' noch nicht die hercynische Schieferformation als Liegendes erreicht haben. - Die Kohle ist eine entschiedene Braunkohle, Bernstein führend nach Hrn. Weiler's Angabe. Es liegt hier wohl eine durch Erosion isolirte Tertiärmulde vor. Im Anschluss an diesen Vortrag erwähnte Herr Kayser das Vorkommen von plastischem Thon und weissem glimmerreichen Sand mit Einlagerungen von unreiner Braunkohle an zwei Stellen auf dem Plateau von Elbingerode, am Hartenberg und im Forstort Susenberg, in nahezu 1500' Höhe. Beide Vorkommen sind von sehr beschränkter Ausdehnung, offenbar in Schlotten und Spalten des Kalkgebirges abgesetzt, und werden von einer aus Harzer Material zusammengesetzten Geschiebeablagerung bedeckt. Das Alter dieser in petrographischer Hinsicht ganz an tertiäre Bildungen erinnernden Ablagerungen muss dahingestellt bleiben.