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Kritische Bemerkungen zur neueren Taunus-Literatur.

Lossen, K. A.

Kurzfassung

Das mir soeben zugegangene fünfte Heft des laufenden Jahrganges des weitverbreiteten Leonhard-Geinitz'schen Jahrbuches enthält auf Seite 541 eine kurze Besprechung eines in der wissenschaftlichen Sitzung der Senckenbergischen Gesellschaft am 25. März 1876 von meinem lieben Freunde und Collegen Dr. Karl Koch gehaltenen Vortrags: ,Neuere Anschauungen über die geologischen Verhältnisse des Taunus", in welchem der Hauptantheil der rechtsrheinischen Taunusgesteine als cambrisch oder huronisch hingestellt wird. Ich hatte bisher gezögert, zu diesen auf Grund der geologischen Kartenaufnahmen im Maassstabe 1:25000 gewonnenen neueren Anschauungen Stellung zu nehmen, ein Vergleich dieses Vortrags mit dem von meinem Freunde im Herbste 1874 (5. October), also nur anderthalb Jahr früher, in Bonn ,über die krystallinischen, metamorphischen und devonischen Schichten des Taunus-Gebirges" gehaltenen, ergab eine so grosse Verschiedenheit der in beiden Vorträgen vertretenen Anschauungen, dass ich die endgiltige Formulirung seines Urtheils abwarten zu dürfen glaubte, umsomehr, als eine solche nach der Sachlage nicht wohl vor Abschluss der Kartirung im Felde erfolgen kann. Die weite Verbreitung indessen, welche Koch's letzter Vortrag durch das Referat in der genannten Zeitschrift erhält, veranlasst mich, vorläufig Einiges zu erwidern, wobei ich zugleich einige hauptsächliche Irrthümer berichtigen will, die sich in den mir fast gleichzeitig durch den Autor gütigst überschickten interessanten Aufsatz des Herrn A. Wichmann: ,Mikroskopische Untersuchungen über die Sericit-Gesteine des rechtsrheinischen Taunus" eingeschlichen haben, völlige Würdigung dieser Studie auf dem Gebiete der Mikroskopie mir vorbehaltend.