Original paper

Die Vulcaninsel Ooshima und ihre jüngste Eruption.

Naumann, Edmund

Kurzfassung

An der Oeffnung des Meerbusens, den die beiden sich nach Süden zu vorschiebenden Halbinseln Idzu und Awa begrenzen, liegt, etwa 60 naut. Meilen von der japanesischen Hauptstadt entfernt, gleich einem natürlichen Bollwerke der feuerspeiende Berg Ooshima. Von Norden her den Anfang einer sich nach den Benininseln hinziehenden Vulcankette bildend, ist er zugleich einer der mächtigsten und interessantesten der hierzu gehörigen Inselberge. Ooshima ist ein Berg. Flachkegelförmig hebt sich das Massiv aus der blauen Fluth heraus, überkleidet mit einem herrlichen Pflanzenteppich, welcher sich heraufzieht bis zur Umwallung des oben aufsitzenden centralen Kegels. In letzterem ist ein mächtiger Krater eingetieft, der in seinem Schooss den kleinen Eruptionskegel, ein Gebilde des vorigen Monats (Januar 1877), birgt. Durch Passagiere englischer und französischer Postdampfer, die an der Insel vorbeikamen, gelangte mit Beginn des neuen Jahres die Nachricht nach Yeddo, dass sich die Wiedereröffnung des Feuerschlotes durch einen am nächtlichen Himmel weit verbreiteten glänzenden Schein anzeige. Die Uebereinstimmung späterer Mittheilungen, welche mir von verschiedenen Augenzeugen wurden, Hessen über die Eruption keinen Zweifel übrig und so unternahm ich in Gemeinschaft einer Anzahl von Freunden in der Zeit vom 19. bis 22. Januar eine Expedition, bei welcher wir das Glück hatten, den Ausbruch in grösstmöglicher Nähe beobachten zu können. Nach meiner Rückkunft liefen neue Berichte über eine bedeutende Verstärkung des Ausbruches ein, weshalb ich mich in Gesellschaft meines Freundes Korschelt und meines japanischen Assistenten, des Herrn Nakano, am 9. Februar nochmals nach der Insel begab. Wir kamen diesmal jedoch zu spät. Die Eruption war, nachdem sie nicht lange vorher ihre ganze Gewalt entfaltet, zum Abschlüsse gelangt. Meinen Aufenthalt auf der Insel benutzte ich zu einer vollständigeren Untersuchung des Vulcans.