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Zur Steinheimer Frage

Sandberger, F.

Kurzfassung

Im neuesten Hefte der Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft (Bd. XXIX. pag. 50 - 62) kommt Herr Hilgendorf nochmals auf die Steinheimer Frage zurück und versucht verschiedene von mir auf Grund von Beobachtungen an Ort und Stelle erhobene Einwürfe gegen seine Ansichten zu widerlegen. Ich kann dem gegenüber nur wiederholen, dass ich keine Veranlassung habe, die Darstellung der Sachlage, welche ich in meiner Monographie der Land- und Süsswasser-Conchylien der Vorwelt (pag. 630 - 655) gegeben, zu modificiren. Insbesondere muss ich mich wiederholt gegen die Behauptung verwahren, dass die über der Region des Carinifex oxystomus gelegene obere Zone des C multiformis var. trochiformis aus zusammengeschwemmtem Materiale auf secundärer Lagerstätte bestehe. Eine solche Täuschung wird wohl ausser Herrn Hilgendorf Niemand von den zahlreichen Forschern für möglich halten, welche von mir beschriebene Lagerstätten von Petrefacten der verschiedensten Formationen nach mir untersucht haben. Aber wenn es dennoch der Fall wäre, so würde es Herrn Hilgendorf Nichts nützen, denn der echte trochiformis liegt nicht, blos in den beiden grossen Brüchen, sondern mit C. supremus zusammen auch in dem verlassenen Bruche am Klosterberge über dem Niveau des oxystomus! (Land- und Süssw.-Conch. pag. 634). Seltsam klingt es, dass Herr Clessin die von ihm selbst auf Grund zahlreicher Beobachtungen aufgestellte Meinung über die Ursachen von Scalariden-Bildung (XXII. Bericht des Augsburger Vereins für Naturkunde pag. 103), welche mir schon früher der verstorbene Rossmässler ganz übereinstimmend als die seinige mitgetheilt hatte, nun neuerdings (wo?) für stark in's Gedränge gerathen ansehen soll. In einem Punkte bin ich vollständig mit Herrn Hilgendorf einverstanden, nämlich darin, dass wenn auch mein letztes, so doch keineswegs das letzte Wort überhaupt in dieser Sache gesprochen ist. Ich vindicire dieses Herrn Professor Hyatt in Boston, der nach monatelangen Beobachtungen und Aufsammlungen an einer Monographie von Steinheim seit etwa 5 Jahren arbeitet, von der bereits eine äusserst präcis ausgeführte photographische Tafel vor mir liegt. Ueber das was Scalaride ist, haben nach meiner Meinung die Conchyliologen das beste Urtheil, mögen diese auch über die Steinheimer Formen entscheiden, ich bin gern bereit, Material dazu herzugeben, soweit meine Doubletten reichen.