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Übert ein eigenthümlich missgebildetes Exemplar eines Micraster breviporus aus der turonen Kreide von Kalkofen bei Lebbin auf der Insel Wollin

Dames

Kurzfassung

Das ungewöhnliche grosse Exemplar fällt schon bei flüchtiger Betrachtung dadurch auf, dass die rechte Seite in der vorderen Hälfte gewölbter und dabei schmäler ist als die linke. Vom Genitalapparat strahlen die hinteren paarigen, das linke vordere und das unpaare Ambulacrum regelmässig aus. Das rechte vordere Ambulacrum dagegen erscheint verdoppelt. Das erste Porenpaar ist noch regelmässig, dann aber verbreitert sich die Ambulacralfurche um das doppelte und es stellen sich in der Mitte noch zwei Reihen Porenpaare, auf einer stumpfen Erhebung stehend, ein. Die beiden Porenreihen liegen dicht nebeneinander und bestehen aus runden Puren; gegen das Ende der Ambulacralfurche werden sie unregelmässig, oblitteriren allmälich und sind am Ende der Furche nicht mehr zu beobachten, von hier ab bis zum Peristom verlaufen die einzelnen getrennt stehenden Paare wieder in normaler Weise. Es sind also in der Ambulacralfurche vier Porenreihen (oder ein Doppelambulacrum) vorhanden. Interessant ist es, dass sich die Ursache dieser Missbildung feststellen lässt. Dicht neben dem unversehrten Genitalapparat bemerkt man eine unregelmässig längliche, ovale, buckelartige Erhebung der Schale, über welche hinweg die 2 mittleren der 4 Porenreihen verlaufen. Da das erste Porenpaar regelmässig gebildet ist, so lässt sich annehmen, dass ein fremder Körper (ein Kalk- oder Sandkörnchen) oder eine krankhafte Anschwellung der Schale selbst den Grund zu dieser Missbildung gab, die auf die ganze Ambulacralfurchen-Ausdehnung Einfluss ausübte, dann aber einer normalen Weiterentwickelung der Porenpaare wich. Es ist diese Art der Missbildung nicht zu verwechseln mit der von Von Meyer (Nov. Act. Ac. Leop. V. 18. 2. pag. 284. t. 13) schon beschriebenen Abweichung von der Fünfzahl im Bau der Echiniden, wo anstatt der 5 Ambulacren 4 (Cidaris) oder 6 (Galerites) in gleichen Spatien sich einstellen. Die an dem vorgelegten Exemplar vorhandenen 6 Ambulacren sind durch krankhafte Verdoppelung eines Ambulacrums entstanden. Der hier beschriebene Fall steht bis jetzt vereinzelt da. Auch die hierauf bin angestellte Revision der im hiesigen zoologischen Museum aufbewahrten Echiniden war resultatlos.