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Über die in den letzten Jahren im Auftrage des k. k. Unterrichts - Ministeriums in Griechenland und in der europäischen Türkei gemachten Untersuchungen

Neumayr

Kurzfassung

Herr Neumayr aus Wien trug über die in den letzten Jahren im Auftrage des k. k. Unterrichts - Ministeriums in Griechenland und in der europäischen Türkei gemachten Untersuchungen vor und erläuterte seine Mittheilung durch Vorlage der auf diesen Expeditionen aufgenommenen geologischen Karten von Nordgriechenland, dem südöstlichen Thessalien und der Halbinsel Chalkidike, sowie einer Reihe von ihm mitgebrachter Gesteinsproben. Als Resultat der von dem Vortragenden in Verbindung mit Dr. Bittner, Dr. Burgerstein, Fr. Teller und Fr. Heyer unternommenen Arbeiten erscheint zunächst ein klarer Einblick in den Bau der griechischen Gebirge, die in ihrem westlichen Theile die Fortsetzung des illyrischen Faltensystems darstellen.-Die Gesteine, welche die Gebirge zusammensetzen, sind z. Th. normale Kalke und Sandsteine der Kreideformation, theilweise sind es krystallinische Kalke und Schiefer, die jedoch trotz ihres abweichenden petrographischen Charakters nach Lagerung und Versteinerungen der Kreide zugezählt werden müssen. Dieser letzteren Gruppe gehört die Akropolis von Athen, der Lykabettus, Hymettus und Pentelikon an. Im Anschluss an diesen Vortrag entwickelte sich eine lebhafte Discussion zwischen Professor v. Seebach aus Göttingen und den Herren Fuchs und Neumayr aus Wien über das Alter des Pentelikon und sein Verhältniss zum Gestein des Hymettus und der ostgriechischen Inseln. Herr v. Seebach erklärte, aus Griechenland den Eindruck mitgenommen zu haben, dass der grobkörnige Marmor des Hymettus und das feinkörnige Gestein des Pentelikon mit seinen Glimmerblättchen und Eisenglimmerhäuten verschiedenartige, nicht zusammengehörige Bildungen seien, und dass das letztgenannte Gestein als das westliche Ende der im östlichen Griechenland verbreiteten krystallinischen Schiefer anzusehen sei. Dagegen leugnete Herr Neumayr das Vorhandensein einer Grenze zwischen beiderlei Gesteinstypen, die vielmehr nach seinen Beobachtungen durch zahlreiche Uebergänge mit einander innig verknüpft sind und sich dadurch als eine einheitliche Bildung erweisen.