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Über den Ursprung der Salze abflussloser Gebiete.

Posepny, F.

Kurzfassung

Die bisherigen Erklärungen der Herkunft der in abflusslosen Gebieten angesammelten Salze genügen nur in einzelnen Fällen, rechtfertigen aber nicht die Allgemeinheit der Erscheinung der Chlorverbindungen in allen Gewässern sowohl der offenen, als auch der abgeschlossenen Gebiete. Dieser allgemeinen Erscheinung können keine locale Ursachen zu Grunde liegen. Der Vortragende empfahl seine in den Sitzungsberichten der Wiener Akademie - Juli I. J. - veröffentlichte Hypothese. Die Chlorverbindungen stammen zwar aus dem Meere, doch hat sich an ihrem Transport die Atmosphäre betheiligt. Durch den Wellenschlag in die kleinsten Theilchen zerschlagenes Meerwasser wird bei der Verdampfung in kleinen Mengen mit fortgerissen, gelangt bei dem Niederschlag dieser Dämpfe auf das Festland und wurde hier in sämmtlichen Quellen, Flüssen und Seen, wenn danach gesucht wurde, auch aufgefunden. Der Chlornatriumgehalt wurde ferner auch in dem atmosphärischen Niederschlage selbst nach gewiesen, die vollständigste Untersuchungsreihe liegt über das im Jahre 1863 in Nancy gefallene Regenwasser vor und ergiebt den ansehnlichen Gehalt von 14 Gramm in einem Cubikmeter. Ferner lässt sich aus den in Böhmen ausgeführten Wassermessungen und Analysen berechnen, dass der daselbst von Mitte 1871 bis Mitte 1872 gefallene Regen 1 Gramm Chlorverbindungen im Cubikmeter enthalten hat. In offenen Gebieten gelangen diese Salze verhältnissmässig bald in das Meer zurück, in abflusslosen Betten sammeln sie sich hingegen an, äussern ihren Einfluss auf die Vegetation und stempeln jedes abflusslose Gebiet zu einer Salzsteppe. Ihre Lösungen, durch das Uebergewicht der Verdampfung über den jährlichen Niederschlag continuirlich concentrirt, sammeln sich als Salzseen an den tiefsten Terrainpunkten an und führen unter Umständen zum Absätze fester Salzmassen. Die Salzlagerstätten repräsentiren gewissermaassen meteorologische Daten über die Beschaffenheit des Klimas früherer Formationsalter.