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Über seine Untersuchungen bezüglich der Fauna der Tripoli-Schichten Siciliens, woraus sich deren geologische Stellung ergiebt.

Stöhr, E.

Kurzfassung

Diese Tripoli, mehr oder minder mergelige Kieselguhrschiehten, an der Basis der mächtig entwickelten Schwefelformation auftretend, sind meist nur wenige Meter mächtig, aber von Wichtigkeit für den Bergbau, da bei normalen Lagerungsverhältnissen unter ihnen keine Schwefelbildungen mehr vorkommen. Zunächst enthalten diese Tripoli zahlreiche Radiolarien, von denen bereits Ehrenberg Handstücke von Caltanisetta mikroskopisch untersucht hat, und daraus in seiner Mikrogeologie 32 Arten abbildete und beschrieb, neben 30 Arten Diatomeen, 8 Arten Spongiennadeln und 8 Foraminiferen. Der Reichthum von Radiolarien ist aber weitaus grösser, und habe ich in den Tripoli von Grotte (bei Girgenti) bereits 82 Arten gefunden, zum Theil neue Formen. Da ich bereits in der Sectionssitzung der Geologie bei der Naturforscherversammlung in München darüber Mittheilungen machte, so genügt es, hier auf die Thatsache hinzuweisen, dass eine ganze Reihe der bei Grotte fossil vorkommenden Radiolarien heute noch im sicilianischen Meere lebt, und dass die Gruppe der Sponguriden bei Grotte in vielen Arten fossil vorkommt, während man diese bis jetzt nur in lebenden Formen kannte. An einigen Localitäten finden sich auch zahlreiche Fischreste in diesen Tripoli, wie denn Sauvage von Licata 53 Arten Seefische beschrieben hat, nebst 10 Arten Süsswasserfischen. Aus dem Vorkommen der letzteren wollte man manchmal schliessen, es seien die Tripoli zum Theil Süsswasserbildungen, oder doch brackischer Natur; das ist entschieden unrichtig, wie denn die Radiolarien und Foraminiferen deren marine Bildung beweisen, und zwar eine Bildung in grösser Tiefe. Mit Recht spricht sich auch Sauvage dahin aus, dass die Reste von Süsswasserfischen nur durch die in's Meer sich ergiessenden Flüsse dorthin gelangt sein können. Die italienischen Geologen betrachten die Tripoli als zur Schwefelformation gehörig.