Original paper

Über die Resultate der mikroskopischen Untersuchung eines thonreichen Mergels (Tuffes?), welchen Dr. Rich. Ritt, v. Drasche auf der Insel Luzon gesammelt hatte.

Karrer

Kurzfassung

Diese Thone liegen dort unmittelbar auf Gabbrogestein in der Nähe der Küste. Die nach sorgfältiger, und bei der Härte des Materials etwas mühsamer Durchschlämmung der Thone zurückgebliebenen Sande zeigten sich erfüllt von Foraminiferen, welche in ganz auffälliger Weise mit jenen, welche Schwager im paläontologischen Theile des grossen Novara-Werkes von Kar Nicobar beschrieben hat, übereinstimmen. Das Material war damals von Prof. Hochstetter mitgebracht worden. In dem Material von Luzou fanden sich 85 gut bestimmbare Arten Foraminiferen, wovon 25 als neu erkannt wurden. Die übrigen 60 stimmten gut zu zwei Dritttheilen mit jenen überein, welche Schwager von K. Nicobar beschrieb, der Rest betrifft Arten, die auch im Wiener Becken auftreten. Unter den mit den Nicobaren übereinstimmenden Formen sind auch viele, welche Schwager gerade von dort als neu bezeichnet hatte, so die auffallende Textilaria quadrilatera Schw. und Discorbina saccharina Schw., welche sehr häufig an beiden Punkten vorkommt u.s.w. Bezeichnend für die Fauna ist das Auftreten von 20 Nodosarien und 11 Cristellarien-Arten, sowie von zahllosen Globigerinen und Orbulinen. Daran schliessen sich viele Dimorphinen, darunter eine prachtvolle neue, die Hrn. Prof. Zittel zu Ehren Dimorphina Zitteli Karr. benannt ward. Im Ganzen macht die Fauna den Eindruck, dass die Thiergesellschaft in nicht geringer Tiefe gelebt und im Sediment begraben worden sei. Zugleich aber hat sich auch durch die Uebereinstimmung mit der Fauna von Kar Nicobar, welche Schwager für miocän zu halten geneigt ist, im Zusammenhalt mit der Erfahrung, die man über die Tertiär-Ablagerungen von Java zu machen Gelegenheit hatte, die ebenfalls miocän ist, als ferneres Resultat ergeben, dass wir an den bezeichneten Punkten Reste eines grossen miocänen Meeres vor uns haben, welches seine Sedimente über die Nicobaren, Sumatra, Java, Borneo, Celebes, die Philippinen bis Luzon hinauf ausgebreitet hatte. Es ist damit bestätigt, was schon Junghuhn über die untermeerische Verbreitung dieser Ablagerung aussprach und was schon Jenkins behauptete, welcher in diesem miocänen Meere eine spätere und kleinere Wiederholung des grossen Nummuliten-Meeres oder -Golfes zu erblicken meint, welches von Mittel-Europa bis Japan und vielleicht noch weiter reichte.