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Geologische Uebersicht der jüngeren Tertiärbildungen des Wiener Beckens und des Ungarisch - Steierischen Tieflandes.

Fuchs, Theodor

Kurzfassung

Vorwort. Zu wiederholtenmalen wurde mir von befreundeter Weise geklagt, wie ausserordentlich schwer es für den Fernerstehenden sei, aus der so überaus zerstückelten Literatur über die österreichischen Tertiärbildungen sich eine bestimmte Vorstellung von dem Baue dieser Formationen zu bilden, und dies umsomehr, als es offenbar sei, dass selbst unter den einheimischen Fachgenossen über manche wesentliche Punkte sehr divergirende Anschauungen gehegt werden, die ausserösterreichischen Fachkreise sich jedoch selbst über die elementarsten Grundzüge in solcher Unklarheit befänden, dass von dieser Seite bei Bezugnahme auf österreichische Verhältnisse fast stets die grössten Missgriffe begangen und die ohnedies schwierige. Materie dadurch nur noch mehr verwirrt wurde. Es waren diese Klagen stets von der Aufforderung begleitet, doch endlich einmal die Grundzüge der geologischen Verhältnisse der österreichischen Neogenbildungen in einer zusammenhängenden Darstellung zur Anschauung zu bringen und so den Plan zu realisiren, an dessen Ausführung der berühmte Verfasser der ,Fossilen Mollusken des Wiener Tertiärbeckens" leider durch einen frühzeitigen Tod gehindert wurde. So gern ich nun auch seit Langem dieser Aufforderung nachgekommen wäre, so waren es doch zwei Momente, welche mich bisher davon zurückhielten. Das eine Moment war die ungenügende Kenntniss, welche wir bisher von der Fauna des Schliers besassen, das zweite aber lag darin, dass mir bisher die Beziehungen mancher unserer Schichtengruppen zu den ausserösterreichischen Tertiärbildungen nicht vollständig klar waren. Beide Hindernisse sind gegenwärtig beseitigt. Durch die schöne Arbeit von R. Hoernes über die Fauna des Schliers von Ottnang sind uns die paläontologischen Charaktere dieser Formation so genau bekannt geworden, wie die irgend einer anderen Schichtengruppe, und meine letzte Reise durch Ober-Italien hat mir alle wünschenswerthen Aufklärungen über die Beziehungen der italienischen Tertiärbildungen zu den unserigen gebracht. Unter solchen Umständen steht der Ausführung des vorerwähnten Planes kein wesentliches Hinderniss mehr im Wege.