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Der rothe Gneiss des sächsischen Erzgebirges, seine Verbandverhältnisse und genetischen Beziehungen zu der archäischen Schichtenreihe.

Credner, Hermann

Kurzfassung

Die Anschauung, dass die mit Kalksteinen, Quarziten, Graphitschiefern, Hornblendegesteinen, Eisenerzen wechsellagernden und selbst an Varietäten reichen Gneisse, Glimmerschiefer und Phyllite der archäischen Formationsgruppe das Product der Erstarrung gluthflüssiger Masse sei, hat derjenigen weichen müssen, welche jene Ablagerungen als Absätze der ältesten Meere, als sedimentäre Gebilde auffasst. Freilich gehen die Ansichten der Geologen weit auseinander, ob wir in diesen Schichtenreihen ursprüngliche oder metamorphische Bildungen zu suchen haben und auf welchem Wege etwaiger Metamorphismus sich bethätigt habe. Es sind dies jedoch Meinungsverschiedenheiten, die für unsere Theorien über die Genesis der genannten Gesteinsreiheu erst von zweiter Bedeutung sind, wenn nur deren sedimentärer Charakter festgehalten wird. Um so auffälliger muss es erscheinen, dass sich seit den letzten Jahrzehenden in fast allen Publicationen, welche eines der grössten centraleuropäischen Gneissgebiete, das Erzgebirge, betreffen, die Auffassung geltend macht, dass eine gewisse Gruppe von Gneissen, die sogenannten rothen Gneisse, ganz anderer Entstehung seien, als die mit ihnen engverknüpften und petrographisch nahe verwandten übrigen Gneisse und krystallinischen Schiefer. Es ist die Ansicht von der Eruptivität des erzgebirgischen rothen Gneisses, die sich in zahlreichen Publicationen H. Müller's, v. Cotta's, Scheeber's, Stelzner's, Förster's und Jokely's wiederholt und von hier aus ihren Weg in verschiedene Lehrbücher und dadurch allgemeine Verbreitung gefunden hat. Vorarbeiten für die geologische Landesuntersuchung von Sachsen gaben bereits seit einigen Jahren Veranlassung zur Erörterung der Frage nach der geologischen Stellung des rothen Gneisses, - eine Frage, die durch die unterdessen fortgeschrittenen Untersuchungen des erzgebirgischen Gebietes dahin zur Erledigung gelangt ist, dass der rothe Gneiss als ein integrirendes Glied der archäischen Schichtenreihe, mit anderen Worten wie diese letztere als sedimentären Ursprunges betrachtet werden muss.