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Das thrialetische Thermalquellensystem in Karthalinien vom geologischen Standpunkte betrachtet.

Abich, H.

Kurzfassung

Die eruptive vulcanische Bildungsthätigkeit, welche die geologische Entwicklung der Gebirgsländer zwischen dem Kaspischen und dem Schwarzen Meere, von dem Schlüsse der palaeozoischen Zeit bis zum Anfange der gegenwärtigen Periode, stets begleitet hat, ist in der Gegenwart als abgeschlossen zu betrachten; wenn man von der starken Solfatarenthätigkeit, die im Innern des erloschenen Eruptionskraters des Tandurek in südwestlicher Nähe des Ararat herrscht, und von den temporären Eruptionsphänomenen innerhalb der Schlammvulcangebiete an beiden Enden des Kaukasus absieht. Dagegen wirkt die Vulcanität in ihrer thermalen Erscheinungsform durch eine Vielzahl von heissen Quellen fort, welche den Bruch- und Richtungslinien derjenigen Gebirgszüge folgen, deren Erhebung und systematisches Aneinanderschliessen die physikalisch-geographische Individualisirung des oberen oder eigentlichen, wie des ihm südlich gegenüberliegenden unteren Kaukasus bedingthaben. In dem unteren Kaukasus, der dem Inbegriffe der georgischarmenischen Gebirge entspricht, sind die, hauptsächlich als Randgebirge ausgedehnter Plateaulandschaften aufzufassenden Gebirgszüge, in naher Uebereinstimmung mit den orographischen Directionslinien im oberen Kaukasus, vorherrschend von SO-NW und von O-W orientirt. Eine besondere geologische Bedeutung fällt hier auf das nördliche georgische, latitudinale Randgebirgssystem von nahe 30 geogr. Meilen Länge, welches, eines Theils als das thrialetische, anderen Theils als das achalzik-imeretinische Grenzgebirge, westlich den unteren Rionlauf und östlich den des Kur begleitet. Unter allen Gebirgsketten auf dem kaukasischen Isthmus findet sich keine, an deren successiver Ausbildung vulcanisch eruptive Bildungsthätigkeit einen so durchgreifenden und einheitlich bestimmenden Antheil genommen hätte, als an diesem, durch die Bruch- und Verwerfungslinie des Borjom-Thales in zwei Hälften gesonderten Doppelsysteme. Die Häufigkeit thermaler und nichtthermaler Mineralquellen in demselben steht im engsten Zusammenhange mit dieser Entstehungsgeschichte