Original paper

Roter Gneiss im Erzgebirge

Kalkowsky, Ernst

Kurzfassung

Herr Prof. A. Stelzner bat in einem Briefe an Sie, der in dieser Zeitschrift 1877 pag. 597 ff. abgedruckt ist, meine Arbeiten über den rothen Gneiss des Erzgebirges einer Kritik unterzogen, die auf nur wenig gerechtfertigter Grundlage beruht. Gestatten Sie mir gütigst, Ihnen im Folgenden eine kurze Vertheidigung meiner Arbeiten mitzutheilen. Ich hatte behauptet, die Freiberger Geologen hätten den rothen Gneiss des Erzgebirges für eruptiv erklärt; Herr Prof. Stelzner sucht nachzuweisen, dass ich Unrecht gethan hätte, eine solche allgemeine Behauptung auszusprechen. Dieser Protest gegen eine derartige Auffassung der betreffenden Arbeiten der Freiberger Geologen kommt übrigens etwas spät; denn bereits 1865 schrieb Herr Prof. Stelzner in seiner Abhandlung über die Granite von Geyer und Ehrenfriedersdorf pag. 5 und 6: ,Wenn man nun auf Grundlage der umfassenden und eingehenden Untersuchungen der Neuzeit eine eruptive Bildung des rollten Gneisses zugeben muss, so folgt etc." Gegen diese allgemeine Behauptung hat Niemand etwas einzuwenden gehabt. In allen ihren Arbeiten sprechen die Freiberger Geologen nur von dem rothen Gneiss; es ist ein ganz bestimmtes Gestein des Erzgebirges, welches diesen Namen führt, nur ein Gestein, das oftmals ganz genau in seiner typischen Ausbildung beschrieben wird. Wenn nun von diesem rothen Gneiss gesagt wird, er habe zahlreiche Untervarietäten nach Textur und Zusammensetzung, so können diese Schwankungen doch nur immer so gering sein, dass der rothe Gneiss stets dasjenige schiefrige Gestein ist, von dem B. v. Cotta schreibt, Geologie der Gegenwart, 4. Aufl. pag. 60: ,es herrscht Orthoklas vor, verbunden mit Quarz und wenig meist hellem Kaliglimmer, zuweilen auch mit etwas Oligoklas." Wenn nun von einem solchen Gestein, von dem rothen Gneiss gesagt wird, dass er bisweilen in durchgreifender Lagerung als Eruptivgestein vorkommt, so kann Jeder den Schluss ziehen, dass der rothe Gneiss als Eruptivgestein anzusehen ist.