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Untersuchungen über die Gesteine des St. Gotthardtunnels.

Meyer, Otto

Kurzfassung

Mit dem für die Geologie, namentlich wegen der fächerförmigen Stellung seiner Schichten so interessanten St. Gotthard haben sich in neuerer Zeit besonders zwei Forscher beschäftigt. Prof. v. Fritsch in Halle hat sich während seines früheren Aufenthalts in Zürich 1864-66 eingehend mit der Untersuchung dieses Gebiets befasst und die Frucht seiner Arbeiten aus einer Broschüre und mehreren Karten bestehend, im Jahre 1873 veröffentlicht. Unabhängig von dieser Arbeit war kurz vorher eine ähnliche erschienen von Herrn Giordano in Florenz, der bereits 1865 mit anderen italienischen Geologen im Auftrage seiner Regierung die Alpenpässe besucht und 1871 auf die geologische Aufnahme des St. Gotthard Zeit und Fleiss verwandt hat. Noch mehr Licht in die Verhältnisse dieses Berges bringt und wird noch bringen der grosse Tunnel durch den Gotthard, der wichtigste Theil der Gotthardbahn, welche die Schweiz und Deutschland mit Italien zu verbinden bestimmt ist und deren Zustandekommen sich besonders auch die betreffenden Regierungen haben angelegen sein lassen. Nachdem im Jahre 1871 nach langen Unterhandlungen die Ausführung dieser Bahn und des Tunnels durch internationalen Staatsvertrag gesichert und die Oberaufsicht liberale Ausführung der Arbeiten der Schweiz übertragen worden war, wurde die geologische Commission der schweizerischen naturforschenden Gesellschaft vom eidgenössischen Bundesrath eingeladen, allfällige Wünsche mitzutheilen, inwiefern die Tunnelarbeit zu wissenschaftlichen Zwecken benutzt werden könnte. Sie machte aufmerksam auf die Wichtigkeit, vor Ausmauerung des Tunnels Sammlungen der durchbrochenen Gesteine nebst Angaben über geologische und physikalische Verhältnisse zu veranstalten und dieselben in- und ausländischen Museen und Universitäten anzubieten. Der Antrag fand sowohl bei dem Bundesrathe, als auch bei der Gottharddirection die dankenswertheste Unterstützung.