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D'Achiardi über den Ursprung der Borsäure und der Borate.

Rammelsberg, C.

Kurzfassung

Im Bd. 85 der Comptes rendus findet sich ein Aufsatz von L. Dieulafait über das Vorkommen und die Bildungsweise der Borsäure. Da mittelst Spectralbeobachtung sich äusserst geringe Mengen dieser Säure nachweisen lassen, betrachtet der Verfasser sie als einen normalen Bestandteil des Meerwassers und glaubt, sie concentrire sich in der Mutterlauge und scheide sich beim Verdunsten über dem Carnallit zugleich mit den zerfliesslichen Salzen ab. Freilich ist das Vorkommen der Borsäure im Meerwasser, in Salzsoolen und Mineralwässern längst bekannt. Und wenn Dieulafait bemerkt, das Vorkommen des Magnesiaborats in dem Salslager zu Stassfurth beweise, dass dies keine vulcanische Bildung sei, wie man bisher einstimmig angenommen habe, so muss man in der That über diesen Ausspruch erstaunen, da doch die Ansicht der Geologen, wenigstens in Deutschland, längst die entgegengesetzte ist. Von den Ansichten über die Bildungsweise der Borsäure, welche die Fumarolen Toscanas enthalten, kennt Dieulafait blos die vor 40 Jahren von Dumas aufgestellte Hypothese, dass ein Lager von Schwefelbor in der Tiefe durch Wasser zersetzt werde, denn er behauptet, diese Annahme habe im Wesentlichen bisher Geltung gehabt. Als Frucht langer Beobachtungen und Studien giebt er seine eigenen neuen Ansichten, die darin bestehen, dass der Ursprung der toscanischen Borsäure in den Tertiärschichten liege, dass sie darin als Magnesiaborat enthalten sei, dass die vulcanischen Erscheinungen an und für sich mit ihrem Vorkommen nichts zu thun haben, und ihre Rolle eine rein mechanische sei, indem sie die Wärme liefern, welche das Wasser jener Schichten erhitzt. Dieses zersetze sich mit dem Chlormagnesium der Salzlager, es werde Chlorwasserstoffsäure frei und diese Säure treibe die Borsäure aus. Demnach sei das Wasser der Fumarolen und der Lagoni atmosphärischen Ursprungs.