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Marmolager an der Nordgrenze der Centralmasse des Finsteraarhoms

Baltzer, Arnim

Kurzfassung

Längs der ganzen Nordgrenze der Centralmasse des Finsteraarhorn treten Marmorlager auf, die ich in den letzten vier Jahren bei Gelegenheit meiner Aufnahmen für Blatt XIII. der geologischen Karte der Schweiz näher untersucht und verfolgt habe. Ich stellte mir dabei die Aufgabe, das Material dieser Marmore, ihre Lagerungsverhältnisse, Vertheilung und ihre muthmassliche Entstehungsweise zu Studiren. Besonders war zu prüfen, ob diese Marmore als umgewandelter oberer Jura zu betrachten sind, und, wenn dies der Fall, welche Kräfte die Umwandlung hervorgebracht haben. Ich unterscheide drei Marmorarten: 1. Weisse und graue, regelmässige Einlagerungen bildende. (Neue Lagerstätten: Schönalphorn, Lager beim lauteren See, Dossenhorn und Brandegg.) 2. Bunte Marmorschiefer mit bunten, talkig-thonigen Zwischenlagen. (Neue Fundorte: Urbachthal, Erstfelderthal, Gstellihorn, Krähenbühl.) 3. Schön bunt gefleckte Marmorbreccien, vorwaltend dem Berneroberland angehörig. Eine solche wurde am unteren Grindelwaldgletscher, wie Gruner berichtet, noch 1760 ausgebeutet, verschwand in den Siebenzigerjahren unter dem vorrückenden Gletscher und gerieht in Vergessenheit. Da kamen 1865 in Folge des grossen Rückzuges der Gletscher behauene und gezeichnete Marmorblöcke und ein ganzes Marmorlager nach fast hundertjähriger Eisbedeckung wieder zum Vorschein. Man hat den Grindelwaldner Marmor zu Grabsteinen, Tisch- und Kamminplatten und Consolen verwendet. Ein neues, ähnliches Vorkommen ist das von Seitenwänzen bei der grossen Scheidegg. In den Hypothesen über Marmorbildung spiegelt sich der ganze Entwickelungsgang der Geologie; hier sei nur auf die Anschauung hingewiesen, wonach dichter Kalk durch Berührung mit Eruptivgestein in körnig-krystalliniachen Marmor übergeht.