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Ueber die Kreideablagerungen auf der Insel Wollin.

Behrens, G.

Kurzfassung

Aus dem flachen Alluvialgebiet, welches den grössten Theil der Inseln Usedom und Wollin ausmacht und zumeist aus Dünensand und Torfboden besteht, ragen einzelne höher gelegene Punkte hervor, welche auf Usedom im Golmberg eine Höhe von 57 M., auf Wollin im Lebbiner Berg 54 M., im Brandberg 67 M. und im Gosauberg sogar eine Höhe von 88 M. erreichen. Diese Punkte bezeichnen neben einigen anderen geringeren Erhebungen das Auftreten von Kreide, und sie sind es ganz besonders, welche in ihrer Fühlung mit der offenen See und dem allerorts nahen Haff der Gegend eine so schlichte eindrucksvolle Naturschönheit verleihen, dass wir die Bewohner dieser Inseln ihr Eiland gern ,pommersche Schweiz" nennen hören. Die Kreide tritt - und hier wird ein Blick auf die Wessel'sche Karte lohnend sein - auf der Insel Wollin an manchen Punkten zu Tage, ohne dass man von derselben viel mehr als ihr Vorhandensein und oberflächliches Aussehen wüsste: das gilt von den noch intacten Ablagerungen zu Stengow und Staffin; bessere Aufschlüsse bieten schon die Kreidepartieen am kleinen Vietzinger See, auf dem Kirchhof zu Misdroy und die unmittelbar am Meeresstrand in einer weiten Erstreckung in der Nähe von Swinehöft und Jordansee theilweise in Brüchen aufgeschlossene Kreide. Am besten und glücklichsten aufgeschlossen sind die versteinerungsreichen Schichten von Lebbin und Kalkofen, welche in dem reichen Schatz von Versteinerungen das Material zu ihrer Altersbestimmung enthalten und daher auch in der sich über diese Vorkommen verbreitenden Literatur am meisten Erwähnung finden. Der Umstand, dass besonders in Lebbin die unteren an Fossilien reicheren Schichten erst in den letzten Jahren Gegenstand des Abbaues geworden sind, an den anderen genannten Orten das Vorkommen von Versteinerungen seltener und sogar ganz selten wird, macht es erklärlich, dass einheimische und fremde Autoren lange Zeit die Frage offen gelassen haben, welchem bestimmten Altersniveau dieses Vorkommen einzureihen sei.