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Geologische Skizze des Wetterhorns im Berner Oberland.

Baltzer, Armin

Kurzfassung

Aeussere Architectur. - Früher habe ich gewisse Verhältnisse im äusseren Aufbau der Gebirge zusammengefasst unter dem Namen der äusseren Architectur. Hierher gehören die Gliederung der Wände im Grossen und die dadurch erzeugte Vertheilung der einzelnen Massen: Terrassirung, Pfeilerbau, mauerartige, wallförmige Gestaltung, die Verschiedenheit der Gipfelbauten (Stock, Horn, Thurm, Aiguille), die Vertheilung der Gräte über den Körper des Gebirges u. s. w. Dass das Hochgebirge seltener durch plumpe, regellose Massenhaftigkeit allein auf den Beschauer einwirkt, vielmehr der äussere Aufbau des Gebirges sich oft überraschend gesetzmässig und stylvoll gestaltet, weiss Jeder, der das Hochgebirge kennt. Es zeigt sich da manchmal eine Schönheit und Kühnheit der Formen, die an planmässige Bauwerke von Menschenhand erinnert; ich führe an: Matterhorn, Dent blanche, Aletschhorn, Finsteraarhorn, Jungfrau, Mönch, Eiger, Grand Combin, einige Spitzen der Monterosa- und Berninagruppe, Glärnisch, Schlossberg u. s. w. Manche dieser Gipfel sind gleichsam wie aus einem Guss gearbeitet und zeigen, dass selbst durch Kräfte, die, wie die Erosion, dem Zufall anheim gestellt zu sein scheinen, ein ästhetisch wirkendes, schön gegliedertes Ganzes entstehen kann. An der äusseren Architectur arbeitet zwar zunächst die Erosion, sie wird aber durch die Schichtstellung (innere Architectur) und Gebirgsart ganz wesentlich beeinflusst. Nächst den oben erwähnten Hauptformen giebt es noch Nebenformen, die sich zu jenen wie das Detail eines Bauwerkes zu seinen architektonischen Hauptzügen verhalten; ich möchte sie Ornamente nennen. Dahin gehören die Erker- und Thürmchen - artigen Vorsprünge, die durch Auswaschung entstehenden kleinen Spitz- und Rundbogen, die Rippen, Gesimse und Felsleisten und all' das kleine Aussenwerk des Gebirges. Diese Formen werden durch die Erosion modellirt.