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Mineralogische Mittheilungen. 2. Fortsetzung.

Bauer, Max

Kurzfassung

9. Beitrag zur Kenntniss der krystallographischen Verhältnisse des Cyanits. Dieses wegen seiner Verbreitung wichtige Mineral bietet eine Anzahl interessanter physikalischer Erscheinungen dar, die wiederholt sein näheres Studium veranlasst haben. Ich erwähne neben den grossen Härteunterschieden, die verschiedene Stellen und verschiedene Richtungen eines und desselben Krystalls bieten, vor Allem die Beziehungen der magnetischen Axen der Krystalle zur Krystallform und zu den optischen Axen, welche besonders von Beer und Plücker untersucht worden sind, sowie die von den Genannten und von Anderen, z. B. von Kobell bekannt gemachten optischen Eigentümlichkeiten. Trotzdem nun, dass der Cyanit schon häufig der Gegenstand eingehender Untersuchung in physikalischer und damit auch krystallographischer Beziehung gewesen ist, ist es bis jetzt noch nicht gelungen, sein Axensystem festzustellen. Dass die. Krystalle dem triklinen Systeme angehören, steht freilich seit lange fest; die allerdings nicht sehr beträchtliche Zahl von Krystallflächen, verbunden mit der Lage der optischen Axen weist mit Sicherheit darauf hin. Wenn aber auch zur Bestimmung des Krystallsystems die vorhandenen Flächen nach ihrer Zahl und Lage genügten, so genügten sie nicht zur Bestimmung der krystallographischen Constanten, da von den sämmtlichen der gegenseitigen Neigung nach genau und sicher bekannten und bestimmten Begrenzungsflächen der Cyanitkrystalle alle mit Ausnahme einer einzigen, der allgemein P genannten Endfläche, in Einer Zone liegen. Die Veranlassung zu vorliegender Untersuchung gab mir ein reiches Material von Cyanitkrystallen von Chironico am St. Gotthard.