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Über Paludina diluviana in Möchem (Sachsen)

Lossen, K. A.

Kurzfassung

Herr K. A. Lossen machte auf eine seit 1859 in der Literatur verbreitete und zuletzt von Herrn Nehring wiederholte irrige Angabe aufmerksam, wonach mit dem Schädelrest des Moschusochsen auch Lemmingreste im Diluvium des Kreuzbergs gefunden sein sollen, und erklärte dieselbe als auf einem Missverständniss beruhend, indem die von Quedlinburg beschriebenen Lemmingreste auf Berlin bezogen worden seien. Derselbe gab ferner Nachricht von der Auffindung der Paludina diluviana Kunth im Geschiebelehm zu Möckern im Königreiche Sachsen durch Herrn A. Sauer. Herr Sauer erklärt den Geschiebelehm als dem Oberdiluvium angehörig, wodurch Paludina diluviana als Leitform für das Unterdiluvium im Sinne des Vortragenden in Frage gestellt würde. Angesichts des beachtenswerthen Umstandes, dass aus dem sehr viel leichter zugänglichen Oberen Lehm die Schnecke noch nie, aus dem viel seltener aufgeschlossenen Unterdiluvium dagegen an zahlreichen Fundpunkten und oft in grosser Anzahl von Exemplaren gefunden ist, hielt der Vortragende diese Deutung für keineswegs sicher und machte darauf aufmerksam, dass die Beschreibung der Diluvialablagerung von Möckern durch Sauer vielfach die Deutung des Lehms als Unterer Geschiebelehm direct unterstütze. Der stetige Kalkgehalt des Lehms, die ,Uebergänge desselben im Streichen" in grandigen (,kiesigen) Sand", die ,fast überall" wahrnehmbare, unmittelbare Unterlagerung desselben durch gebänderten Diluvialthon, das häufige Vorkommen von Geschieben mit Gletscheratreifen im Lehm sind solche Stützpunkte. Der Grand, welcher unter dem Thon folgt, ist in der Mark über und unter dem Unteren Geschiebelehm bekannt, kann also an und für sich nicht entscheiden. Sonach bedarf es wohl noch einer näheren Prüfung, ob thatsächlich Oberer Geschiebelehm vorliegt, wie denn überhaupt eine ganz zuverlässige Parallelisirung des sächsischen und märkischen Diluvium noch aussteht.