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Beiträge zur Kenntniss von Terebratula vulgaris Schloth.

Koschinsky, Carl

Kurzfassung

Schon seit mehreren Dezennien hat die wegen ihres massenhaften Auftretens in gewissen Schichten des alpinen und ausseralpinen Muschelkalkes wichtige Terebratula vulgaris Schloth. den Gegenstand eingehender Forschungen gebildet, ohne dass es bisher geglückt wäre, den inneren Bau derselben in befriedigender Weise aufzuhellen. Die Beobachtungen, welche von Giebel, Karl v. Seebach und v. Alberti über die innere Organisation veröffentlicht worden sind, waren noch wenig vollständig; doch wurden sie den genannten Forschern Veranlassung, obige Form trotz einiger Abweichungen in Bezug auf äussere Merkmale bei der Gattung Waldheimia unterzubringen. Dieser Anschauung hat sich später auch Arlt angeschlossen, obgleich derselbe an Exemplaren aus der Gegend von Saarbrücken eine im Verhältniss zu Waldheimia weit geringere Längsentwickelung des Brachialgerüstes hatte feststellen können. Im Jahre 1869 wollte Richter an thüringischen Exemplaren Spiralkegel beobachtet haben und obige Form zu Spirigerina gestellt sehen, eine Ansicht, welcher Schloenbach in einer in demselben Jahre erschienenen Arbeit über das Brachialgerüste bei Terebratula vulgaris sehr entschieden entgegentrat. Letztgenanntem Forscher gebührt das Verdienst, zuerst ein anschauliches und scharf begrenztes Bild von dem Gerüste entworfen zu haben, ein Bild, das erst dann unbestimmter wird und sich abweichend von den wirklichen Verhältnissen gestaltet, wo Vermuthungen an Stelle directer Beobachtungen treten. Insbesondere waren die Bemühungen Schlönbach's und anderer Palaeontologen nach ihm, den die rücklaufenden Aeste verbindenden Schleif zu präpariren, erfolglos geblieben; man begnügte sich schliesslich, als das Wahrscheinlichste eine einfache Verbindungsleiste anzunehmen. Während meines Aufenthaltes in Strassburg, im Winter 1876, waren mir gelegentlich einer mikroskopischen Untersuchung der Schalenstructur bei den Brachiopoden von Herrn Professor Benecke auch Terebratula vulgaris und zwar Exemplare von Recoaro zur Verfügung gestellt worden.