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Notizen über Diamanten.

Martin, Karl

Kurzfassung

Der Streit, ob der Diamant ein holoëdrisch oder ein hemiëdrisch krystallisirender Körper sei, veranlasste mich, die reichhaltige Sammlung, welche das Leidener Museum von diesem Minerale besitzt, zu durchmustern. Es fanden sich darunter einige höchst interessante Formen, deren Veröffentlichung ich nicht unterlassen zu sollen glaubte, obgleich krystallographische Untersuchungen meinem Arbeitsfelde sonst fern liegen. Eine hemiëdrische Form verdient hier zunächst hervorgehoben zu werden, interressant auch schon deswegen, weil der Krystall im Gestein eingebettet ist; freilich nicht im Muttergestein, wie das Etiquette aus alter Zeit aussagt. Er ist in einem, aus dunkelbraunen, stark glänzenden, abgerundeten Bestandtheilen zusammengesetzten Conglomerate eingeschlossen, welcher neben dem wohlerhaltenen Krystalle noch weitere, kleinere Bruchstücke von Diamanten beherbergt, und wenn es schon an und für sich höchst unwahrscheinlich war, dass ein Conglomerat die Matrix des Diamanten sei, so können diese ihn begleitenden Brocken nur durch die Annahme erklärt werden, sie seien gleichzeitig mit den das Conglomerat bildenden Bestandtheilen nach einer secundären Lagerstätte verführt, zertrümmert und mit den Letzteren verkittet worden. Das Mineral stammt von Brasilien. Der Krystall, welcher 5 Mm. misst, zeigt als Grundform ein stark gestreiftes Triakisoctaëder mit gewölbten Flächen, welches auf den ersten Blick als Rhomben-Dodekaëder erscheint; doch erkennt man auf einer der rhombischen Flächen dennoch eine deutliche Trennung, welche in der Richtung der grösseren Diagonale verläuft.