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Über einige Beobachtungen in der Gegend von Belluno und Serravalle

Beyrich

Kurzfassung

Der aus älterer Zeit her bekannte muschelreiche Sandstein der Mulde von Belluno ruht auf Flysch, der am Südrande ebenso wie am Nordrande der Mulde zu Tage liegt; die den Flysch charakterisirenden Einlagerungen von Kalkstein oder sandigem Mergel, die von kleinen Nummuliten erfüllt sind, zeigen sich namentlich auch, wie Taramelli bereits früher beobachtete, nordwestlich von Belluno in der Nähe von Tisoi, wo der Rand der Tertiärmulde bei der Kirche S. Giustina (- auf der Karte fälschlich S. Giuliano -) bis zur Höhe von etwa 400 Meter über dem Piave-Thal bei Belluno ansteigt. Classificirt man die Sandsteine von Belluno mit Hörnes als oberoligocän, so steht nichts der Annahme entgegen, dass der Flysch als ein Aequivalent der älteren Oligocänbildungen etwa den Schichten von Laverdà gleichzustellen sei, deren Horizont auch Suess als anderwärts durch Flysch vertreten annahm. - Am Gebirgsrande bei Serravalle fehlt der Flysch von Belluno, und die tiefsten hier zu Tage tretenden Lager entsprechen, wie Herr Hörnes dargethan hat, dem glaukonitischen Sandstein von Belluno; dieselben werden bedeckt von einem mächtigen, von Hörnes ebenfalls Flysch genannten Schichtensystem, in welchem als ausgezeichnetes Glied ein bei Serravalle in Steinbrüchen gewonnener hydraulischer Kalkstein auftritt. Derselbe ist nicht versteinerungleer, sondern enthält Pecten und andere Muscheln, welche erlauben, ihn für ein Aequivalent der den Sandstein von Belluno bedeckenden bituminösen Mergel zu halten. Im Hangenden treten darauf alsbald miocäne, marine - nicht fluviatile - Mergel, Sandsteine und nagelfluhartige Conglomerate auf, die in neuester Zeit durch Eisenbahnbauten von Serravalle gegen Ceneda hin vortrefflich aufgeschlossen wurden.