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Über die durch das fiscalische Bohrloch Priorfliess bei Cottbus erschlossenen Tertiärschichten und deren organischen Einschlüsse

Speyer, O.

Kurzfassung

Die für die Beurtheilung des relativen Alters der dortigen Braunkohlenbildungen erzielten wichtigen Resultate für eine spätere Publication in dieser Zeitschrift vorbehaltend, theilte Redner vorläufig Folgendes mit. Die Gesammtmächtigkeit der durchsunkenen Tertiärschichten betrug, unter einer Auflagerung von 31,58 Meter Diluvial-Kies und Sand, 152 Meter. Als Liegendes wurden 6 Meter grauer Kalkstein durchsunken und bei 189 Meter bunte Mergel - vermuthlich dem Keuper angehörend - angebohrt. Die betreffenden Tertiärschichten bilden einen Wechsel von braunen, grauen oder schwärzlichen glimmerreichen Thonen mit bräunlichen oder grauen Glimmer - führenden Sanden und in den unteren Teufen glaukonitische Thone und Sande mit lichtgrauen Mergelkalken und eingeschlossenen Schwefelkiesknollen. Innerhalb dieser Schichtenreihe wurden 2 Braunkohlenflötze - das obere 9 M. mächtig und vorherrschend aus Lignit bestehend - bei 40,78 M. Teufe, das zweite Flötz - eine Knerbelkohle von 10 M. Mächtigkeit - bei 52,78 M. Gesammtteufe durchsunken. Bei 151,60-177,61 M. Teufe stellte sich ein grauer, glimmerreicher, feiner Sand mit Versteinerungen ein - es konnten hiervon 23 Molluskenarten bestimmt werden -, und ebenso erwiesen sich, wenn auch in weit geringerem Maasse, die bei 180,11 M. durchsunkenen glaukonitischen, thonigen Schichten versteinerungsführend. Das Gesammtresultat der durch Aussieben und Schlämmen gewonnenen Fauna ergab: 27 Mollusken, 19 Gastropoden und 8 Pelecypoden, 1 Koralle, 9 Foraminiferen und Gehörknochen von Fischen. Sämmtliche Mollusken erwiesen sich mit oberoligocänen Arten ident; von denen indessen auch 22 aus dem Mittel-Oligocän und selbst 14 Arten aus dem Unter-Oligocän bekannt sind. Ebenso Hessen sich die Foraminiferen und die betreffende Koralle theils mit bekannten mittel- und oberoligocänen Formen vergleichen. Der Charakter der vorliegenden Fauna aus den erwähnten grauen Sanden dürfte somit nach den paläontologischen Vergleiehungen und mit Berücksichtigung des Auftretens ganz typischer oberoligocäner Arten als: Nassa pygmaea, Terebra Beyrichii, Actaeon Philippii, Eulima subulata etc. ein oberoligocäner sein, und vielleicht die tieferen - glaukonitischen - Schichten das Mitteloligocän vertreten. Die am Priorfliess erbohrten Braunkohlenflötze, welche 100 M. über der ersten versteinerungsführenden Schicht auftreten, sind daher weit jüngere Bildungen, als man bisher für die Braunkohlen der dortigen Gegend annahm, und fallen in das Ende der Miocän-Zeit.