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Über Steinkohle formationen in Thüringen

Weiss, E.

Kurzfassung

Ueber die hiesigen Steinkohle-führenden Schichten werde ich Ihnen zwar mit diesen Zeilen nichts ganz Ausführliches geben; aber da ich glaube, dass auch eine kurze vorläufige Mittheilung der geognostisch wichtigen Resultate, welche sich bis jetzt ergeben haben, Ihr Interesse erregen werden, so bitte ich Sie mit dem Nachfolgenden vorlieb zu nehmen. Im nördlichen Thüringer Wald war man, wie Sie sich erinnern, bis vor Kurzem zu der Ansicht gelangt, dass ausser dem Vorkommen bei Manebach und Umgegend von den weiter nach Eisenach zu gelegenen Kohlenvorkommen, welche zu mancherlei Bergbauversuchen älterer Zeit geführt hatten, keines der productiven Steinkohlenformation, sondern bereits sämmtlich dem Unter-Rothliegenden angehörten. Es ist deshalb von Interesse, Thatsachen kennen zu lernen, welche beweisen, dass gleichaltrige Schichten wie bei Manebach auch hier, 1 1/2 Meilen südöstlich von Eisenach, noch einmal auftreten. Man hat nämlich an der sogenannten Ehernen Kammer (auch Oehrenkammer geschrieben) gegenwärtig alte Bergbaue wieder aufgenommen und dabei ein paar kleine Kohlenflötze von Neuem aufgedeckt, welche von vorzüglicher Qualität sein sollen, und von denen eins bis zu 2 Fuss Stärke erreichen mag. Mit den geförderten Bergen sind aus dem einen Stolln Pflanzenabdrücke herausgebracht worden, welche von geognostischer Wichtigkeit sind. Was ich von ihnen sah, sind zumeist Farne, sonst nur wenige schlecht erhaltene Calamites- und Asterophyllites -, auch Sphenophyllum - Reste oder ganz unbestimmbare Bruchstücke. Bereits zu Pfingsten d. J. hat Prof. v. Fritsch die Güte gehabt, mir über die Gegend Mittheilungen zu machen und dabei die obige Stelle an der Ehernen Kammer als ein Vorkommen von ,Steinkohlenpflanzen" bezeichnet.