Original paper

Über die Resultate der neuen geologischen Aufnahmen im sächsischen Granulitgebirge.

Lehmann, J.

Kurzfassung

Die geologische Kartirung des sächsischen Granulitgebirges hat Resultate ergeben, welche mit den bisher ziemlich allgemein als richtig angenommenen Ansichten Naumann's im Widerspruch stehen. Naumann's Auffassung des Granulitgebirges gipfelt darin, dass der Granulit als ein eruptives Magma durch Thonschiefersichten hindurch gebrochen sei, diese aufgerichtet und Fetzen derselben theilweise oder ganz umschlossen und diese, sowie seine Umgebung bis zu hohem Grade metamorphosirt habe. Dieser Anschauung gab Naumann in seiner Karte des Granulitgebirges Ausdruck, indem er die damals vorhandenen Aufschlüsse in seiner Weise verband. So genau diese Karte die wirklich aufgeschlossenen Gesteinsgrenzen wiedergiebt, so theoretisch und in diesem Fall unzutreffend sind die gemuthmaassten Verbindungen. Es ist im Granulitgebirge in Folge der allgemeinen Bedeckung durch Unteroligocän und Diluvium und in Folge des complicirten Baues im Grundgebirge äusserst schwierig, das Grundgebirge mit Hinweglassung der Decke von jüngerem Schwemmland darzustellen; so ist z. B. der von Naumann gezeichnete mächtige Granitgang in dieser Mächtigkeit unter dem Diluvium nicht vorhanden, wie aufgefundene Aufschlüsse von Granulit beweisen, sondern es treten zahlreiche, in ihrem Material z. Th. verschiedene Granitgänge auf. Jene Halbinseln und Inseln von Gneiss, welche aus einer hochgradigen Metamorphose von Thonschieferfetzen entstanden sein sollen, existiren nicht; diese Gneisspartieen stehen weder mit den die Granulite umgebenden Schiefern in Verbindung, noch sind es regellos in Granulit eingebettete Bruchstücke. Schon in München (siehe diese Zeitschr. Bd. XXVII. pag. 728) konnte mitgetheilt werden, dass die Cordierit- und Biotitgneisspartie von Göhren-Lunzenau-Rochsburg mit dem isolirt gezeichneten Gneisse von Chursdorf in Verbindung stehe und eine Einlagerung zwischen Granulitschichten bilde.