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Ueber den Piperno.

Kalkowsky, Ernst

Kurzfassung

In den flegreischen Feldern bei Neapel findet sich am Fusse des höchsten Bergrückens, der das Camaldulenser Kloster trägt, ein Gestein, welches den Localnamen Piperno führt. Ein sonderbares Aeusseres hat früh die Aufmerksamkeit auf dasselbe gelenkt: es ist die Differenzirung in hellgraue und in grauschwarze Substanz, welche an diesem Gestein gerade deshalb zu näherem Studium anlockt, weil sie ein ganz beständiges Merkmal ist. Wo immer man in Neapel oder der Umgegend einen grauen, schwarz gefleckten Stein sieht, da kann man sicher sein, Piperno aus den Brüchen von Pianura oder Soccavo vor sich zu haben, auch wenn man ihn an so einsame Orte verschleppt antrifft, wie der Krater Astroni einer ist. Eine Schilderung, welche gerade auf die bemerkenswerthen Verhältnisse hinweist, lieferte L. V. Buch. Er schreibt in den Geolog. Beobachtungen auf Reisen, Bd. II.: ,An den Palästen von Neapel, die aus diesem Gestein erbaut sind ... fahren grosse Flammen horizontal, parallel über die Façade weg. Der Grund des Steines ist aschgrau, die Flammen sind fast schwarz, mehrere Fuss lang. Man möchte sie gemalt glauben. Aber so ist das Ganze, selbst auch im Kleinen. Die aschgraue Hauptmasse im Bruch uneben von feinem Korn, ohne Glanz, spröde, weich. Die Flecke immer länglich, fast eben im Bruch und hart. Sie fangen spitz an, erweitern sich und fallen wieder in eine Spitze ab; von allen Grössen, vom halben Zoll lang und 2 Linien dick bis zu mehreren Fuss Länge und Stärke; immer parallel flächenweis aufeinander. Beide, die Grundmasse und die Flammen, werden von kleinen länglichen Poren zerrissen, aber weit mehr die letzteren, so sehr, dass sie oft Drusen zu sein scheinen. Denn ihre innere Oberfläche ist mit einer Krystallhaut bedeckt, und zuweilen wird die Höhlung von spiessigen, wenig glänzenden, schwarzen Metallnadeln durchzogen. Merkwürdig ist es, dass die Poren der Hauptmasse sich nach der Figur des schwarzen Streifes richten und seiner äusseren Form folgen und dass im Ganzen die Richtung aller länglichen Poren mit dem Laufe der Flammen übereinkommt. Kleine glasige Feldspathkrystalle, fast die einzigen Gemengtheile, sind in der Grundmasse und in den Streiten gleich häufig. Es ist schwer, sich den Grund einer so sonderbaren Bildung zu denken."