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Über die Tertiärbildungen der Gegend von Belluno und Serravalle

Hörnes, Rudolf

Kurzfassung

Was zunächst die Tertiärbildungen der Mulde von Belluno anlangt, so sehe ich mich genöthigt, an meiner Annahme des einseitigen Baues derselben festzuhalten. Eocäner Flysch und Einlagerungen von Nummulitenkalk in demselben treten in einem zusammenhängenden Zuge an der Nordseite der Mulde nicht auf, und es wird ihr Fehlen wohl durch jene grosse Bruchlinie bedingt, welche parallel der Val-Sugana - Störungs-Linie streicht. Auf dieser, den Nordrand der Mulde von Belluno bezeichnenden Bruchlinie treffen wir eine meist sehr unvollständige Folge der oberen mesozoischen Straten in steil gegen die Mulde einfallenden, bisweilen fast senkrecht gestellten Schichten; oft ist nur der Lias allein vertreten, bisweilen folgen über dem Jura noch grössere und kleinere Schollen von Kreidebildungen; es ist mir endlich nur ein einziger Punkt bekannt geworden (eben die Umgebung der Kirche von Tisoi), an welchem auch eocäne Gesteine, jedoch nur ganz local und zumeist nicht einmal anstehend, sondern in isolirten, allerdings sehr zahlreichen Blöcken auftreten. Die starke Bedeckung durch Moränenschutt der Glacialperiode stört zwar den Einblick, doch scheint es kaum, als ob diesem Umstand allein es zuzuschreiben sei, wenn uns bis jetzt die Eocänschichten im nördlichen Theile der Mulde von Belluno fast vollständig zu fehlen scheinen. Es dürfte dort das Fehlen der Eocänbildungen demselben Umstand zuzuschreiben sein, wie in der Gegend von Serravalle, wo ich unmittelbar auf der Scaglia die Schioschichten beobachtete. Ich schrieb die letztere Thatsache früher einer Transgression der Schioschichten zu, während ich heute geneigt bin, einer von V. Mojsisovics mündlich geäusserten Meinung beizupflichten, welche dahin geht, dass auch bei Serravalle einzelne Glieder der Schichtfolge durch eine tectonische Störung anscheinend in Verlust gerathen seien, während sie vor der Faltung des Gebirges vorhanden gewesen sind.