Original paper

Ueber die glacialen Bildungen der nordeuropäischen Ebene.

Helland, Amund

Kurzfassung

Die Geologen, welche im norddeutschen Flachlande arbeiten, befinden sich in Bezug auf die glacialen Bildungen in einer ungünstigen Lage, insofern die erratischen Blöcke, Sande und Lehme im Diluvium zum grössten Theil aus fernen, nördlichen, von Deutschland durch das Meer geschiedenen Ländern stammen. Die älteren Formationen, über welchen die glacialen Bildungen liegen, gehen nur selten zu Tage aus und bestehen dabei meist aus lockeren tertiären Ablagerungen, in denen Spuren von Gletscherwirkung leicht verwischt werden. Die Geologen in England, Bayern, Norditalien und der Schweiz sind in dieser Beziehung weit günstiger situirt. Schon von einigen der Moränen vor den italienischen Seeen kann man im Hintergrunde die Alpen, die das Material zu den glacialen Bildungen geliefert haben, sehen, und es ist hier mit keinen grossen Schwierigkeiten verbunden, sowohl die Berge mit den Gletscherschliffen, Roches moutonnes u.s.w., als auch die Moränen und die Ebene, wo die glacialen Massen zur Ablagerung gelangt sind, kennen zu lernen. Auch in Grossbritannien kann man die Ausdehnung der alten Gletscher im Lande selbst studiren. Im norddeutschen Flachlande dagegen hat man es vor Allem mit dem Ablagerungsgebiete des glacialen Materiales zu thun, dessen Heimath und Erosionsgebiet bekanntlich in nördlichen Ländern, in Schweden, Norwegen, Finnland und in der Ostsee liegt. Diese geographischen Verhältnisse üben einen grossen Einfluss auf die theoretischen Ansichten der Geologen der verschiedenen Länder aus. Die norddeutschen Geologen, die eine gewisse gesetzmässige Ordnung in den glacialen Bildungen erkannt haben, sind sehr geneigt, im Diluvium auf dieselbe Weise wie in den gewöhnlichen älteren Formationen zu arbeiten, indem sie das Diluvium nach den sehr spärlichen organischen Resten genau zu gliedern versuchen. Wir aus dem Norden kommenden Geologen hingegen finden in Deutschland nordische Gesteine als Geschiebe mit Gletscherschliffen wieder, sehen viele Bildungen, die bei uns als unverkennbare Zeichen alter Gletscher gelten, und wenden deshalb im deutscheu Diluvium die gewöhnliche Observationsmethode für Gletscherbildungen an.