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Die Geschiebeformation Norddeutschlands.

Penck, Albrecht

Kurzfassung

I. Einleitung. - Der Geschiebelehm. Die diluvialen Ablagerungen des nördlichen Europa haben mehr als andere geologischen Probleme einer befriedigenden Lösung getrotzt. Ihr junges geologisches Alter, der Umstand, dass während ihrer Ablagerung der Mensch bereits existirte, haben ihnen stets grosses Interesse zugewendet, ihre Unscheinbarkeit, die Fremdartigkeit ihres Aussehens, ihre merkwürdigen, aller geologischen Erfahrung spottenden Eigenschaften haben jedoch ihrer Erforschung ein bedeutendes Hinderniss entgegengesetzt und zu manchen ebenso abenteuerlichen wie unbegründbaren Hypothesen Veranlassung gegeben. Erst gründliche vergleichende Studien mit analogen Erscheinungen der Jetztzeit haben wenigstens für Schottland und Skandinavien zu einer glücklichen Erklärung ihrer Entstehungsweise geführt. Eie Gleiches kann noch nicht von den grossen Diluvialmassen der norddeutschen Ebene gelten. Es kann zwar nicht geleugnet werden, dass in den Arbeiten der letzten drei Jahrzehnte eine grosse Fülle von Materialien über sie veröffentlicht ist, dass die gründlichen Untersuchungen der letzten Jahre ihre agronomische Wichtigkeit genügend erkannt und gewürdigt haben, dass die geologische Kartirung ihrer Oberflächen Verbreitung mit peinlicher Genauigkeit gefolgt ist, aber ihre geologische Gliederung, ihre Entstehung sind noch zu lösende Probleme. Es hat sich ergeben, dass man im nördlichen Deutschland ein älteres und jüngeres Diluvium unterscheiden kann. Das erstere wird durch die Führung grosser Gesteinsblöcke, durch sogenannte Geschiebe charakterisirt, weswegen man es mit dem Namen Geschiebeformation belegen kann, während dem letzteren zahllose Landconchylien ein eigenthümliches Gepräge geben. Beide Gebilde weichen in allen ihren Eigenschaften merklich von den Ablagerungen älterer Formationen ab, ein Umstand, der, wie sich zeigen wird, wesentlich durch ihre geradezu abnorme Entstehungsweise bedingt wird.