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Die Krystallform des Cyanit's.

Bauer, Max

Kurzfassung

Der Cyanit, dessen Krystallform bis vor Kurzem nur unvollständig bekannt war, ist im Laufe der letzten Monate in krystallographischer Hinsicht ziemlich vollständig bekannt geworden durch zwei Arbeiten, die fast gleichzeitig und unabhängig von einander abgefasst sind. Die eine ist von Herrn G. vom Rath, die andere von mir selbst. Beide Arbeiten geben, allerdings auf sehr verschiedene Weise ermittelt, die krystallographischen Constanten des Minerals, und zwar in einer, in Anbetracht der Verhältnisse, überraschenden Uebereinstimmung. In sonstigen Punkten ist dagegen eine Verschiedenheit der Auflassung zu Tage getreten, die Herr G. vom Rath in einer Besprechung meiner Arbeit im Einzelnen hervorgehoben hat. Auch ich möchte mir im Vorliegenden erlauben, jene Punkte, die von uns verschieden aufgefasst werden, einer kurzen Besprechung zu unterziehen und dabei einige Stellen meiner Arbeit etwas deutlicher fassen, als mir dies, wie es scheint, früher möglich gewesen ist. Die erste Frage, um die es sich hier handelt, ist die, ob die Kante M/P auf der Kante M/T senkrecht steht oder nicht. Herr G. vom Rath sagt, dass dies der Fall sei, ich bin der gegentheiligen Ansicht. Ich wende mich zunächst zur Besprechung der Gründe, die Herrn G. vom Rath zu seiner Meinung geführt haben und die nicht im Stande waren, mich zu überzeugen und von meiner früher gefassten gegentheiligen Ansicht abzubringen. Zunächst ist zu bemerken, dass Herr G. vom Rath seine Resultate nur aus einem einzigen Krystall gezogen hat, der ausserdem so klein war, dass nur wenig genaue Messungen angestellt werden konnten. Man wird also wohl kaum den hieraus erhaltenen Werthen allgemeine Bedeutung zugestehen dürfen, meinen Beobachtungen gegenüber, die an vielen Krystallen gemacht wurden.