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Phosphoritische Kalke von der westindischen Insel Bonaire.

Martin, Karl

Kurzfassung

Nachdem ich im vorigen Jahre für das Leidener Museum eine Anzahl von Phosphoriten, welche von den westindischen Inseln Curaçao und Bonaire abkünftig sind, erworben hatte, erhielt ich vor Kurzem durch die Güte des Herrn G. A. B. Hellmund, Grundbesitzer auf Bonaire, noch eine grössere Anzahl von Handstücken dieses Gesteins, Unter den verschiedenen Proben erregte namentlich eine Knochenbreccie meine Aufmerksamkeit und veranlasste mich, eine nähere Untersuchung des Materials von Bonaire vorzunehmen, deren Resultate ich, unterstützt durch die ausführlichen Angaben, welche mir durch Herrn Hellmund in bereitwilligster Weise gemacht wurden, hier folgen lasse. Das Gestein besitzt eine vorherrschend gelbbraune Farbe, welche durch verschiedene Abstufungen in eine roth- und braungraue übergeht; einige Varietäten sind weiss. Es zeichnet sich durch einen grossen Reichthum an Hohlräumen aus, welche bisweilen klein sind und in grosser Anzahl neben einander auftreten, so dass sie dem Gesteine ein schwammiges Aussehen verleihen, in anderen Fällen grössere Dimensionen erreichen und dann einzeln in der, übrigens dichten, Masse eingestreut liegen. Die ausgedehnteren Hohlräume sind auf ihrer Innenfläche mit traubigem Phosphorit ausgekleidet, in einigen Fällen aber bereits ganz mit solchem angefüllt; die Ausfüllungen, welche durch ihre verschiedene Färbung oft scharf von der umgebenden Masse sich abheben, verleihen dem Gesteine das Aeussere eines Conglomerates. Auf dem Querbruche erkennt man häufig eine feine Streifung, welche eine lagenförmige Zusammensetzung der Einschlüsse beweist; gleichwie auch einige in grösseren Handstücken vertretene, dichtere Varietäten der Phosphorite eine Reihe scharf getrennter, verschieden grau und braun gefärbter Lagen, welche in einem Falle von durchaus ebenen Flächen begrenzt werden, erkennen lassen. Analysen, welche im Hinblick auf eine etwaige technische Verwerthung des Gesteins angestellt wurden, ergaben als Gehalt an phosphorsaurem Kalke: [...] Dieser verschiedene Gehalt geht mit einem eben so verschiedenen Gehalte an Kalkcarbonat Hand in Hand, so dass die phosphorsäurereichen Varietäten des Gesteins nur eine unbedeutende Gasentwickelung im Reagensgläschen bei der Behandlung mit Säuren erkennen lassen, während die ärmeren Varietäten schon beim Betupfen mit Salzsäure lebhaft aufbrausen. Die Härte des Gesteins ist 4-5. Es geht aus alledem hervor, dass die bisher als Phosphorite bezeichneten Gesteine von Bonaire ein Gemisch von Kalkcarbonat und Kalkphosphat darstellen, in deren gegenseitigem Mengenverhältnisse keine Gesetzmässigkeit sich herausstellt.