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Besprechung der optischen Eigenschaften der Feldspathe auf Grund neuer Beobachtungen

Tschermak, Gustav

Kurzfassung

Die optische Orientirung der Plagioklase ist zuletzt von Des Cloizeaux im Zusammenhange geprüft worden, wobei der letztere zu der Ansicht gelangte, dass das optische Verhalten mit der Anschauung, nach welcher diese Feldspathe isomorphe Mischungen von Albit- und Anorthit-Substanz darstellen, im Widerspruch stehe. Obgleich schon M. Bauer gegen die Berechtigung jener Ansicht Einspruch erhoben hatte, so schien es doch wichtig, neue Untersuchungen anzustellen, welche von Herrn M. Schuster durchgeführt wurden. Dieselben ergaben das Resultat, dass die Lage der Auslöschungsrichtungen, wie solche an Individuen auf der Endfläche und der Längsfläche beobachtet werden kann, sich ganz und gar im Sinne der Mischungstheorie vom Albit angefangen bis zum Anorthit continuirlich ändert, dass ferner die Lage der Elasticitätsaxen von dem einen Endgliede Albit durch die Reihe Oligoklas, Andesin, Labradorit, Bytownit bis zum Anorthit einer allmählichen Aenderung im gleichen Sinne unterliegt. Auch die Dispersion der Axen, welche in den Endgliedern eine entgegengesetzte ist, folgt jener Reihe, während der Axenwinkel, welcher die Axe der kleinsten Elasticität einschliesst, im Albit ein spitzer ist, hierauf allmählich grösser wird und im Anorthit ein stumpfer Winkel ist. Der letztere Umstand war der Stein des Anstosses für Des Cloizeaux, welcher nach dem hergebrachten Ausdrucke die einen Feldspathe als optisch positiv, die anderen als negativ bezeichnend und die Variation der Dispersion hervorhebend zu jener nun widerlegten Ansicht gelangte, obgleich in den Beobachtungen von Des Cloizeaux und von Schuster Uebereinstimmung existirt.