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Messungen der Bewegung des Morteratsch-Gletschers.

Klocke, F.

Kurzfassung

Die Bewegung des Eises wurde dadurch gemessen, dass ein Pfahl vollkommen fest in dasselbe eingesetzt wurde, welcher eine horizontale und eine verticale Skale trug, deren Verrückungen durch das Fadenkreuz eines am Ufer fest aufgestellten Fernrohres sich beobachten Hessen. Die Anzahl der durch das Fadenkreuz gewanderten Skalentheile giebt direct die horizontale und verticale Componente der Bewegung. Nach dieser, von Pfaff bereits für die Beobachtung der Bewegungen des Firns benutzten Methode, wurde nun zum ersten Male die wirkliche Bewegung des Gletschereises untersucht. Es ergab sich, dass die bis jetzt vorausgesetzte gleichförmige Abwärtsbewegung der Gletscher thatsächlich nicht existirt, sondern dass, wenn auch im Ganzen ein Punkt des Eises nach einer bestimmten längeren Zeit abwärts gerückt erscheint, dies doch nur das Resultat einer grossen Zahl ganz unregelmässiger und dem Sinne nach wechselnder Bewegungen ist. Ein bestimmter Punkt des Eises bewegt sich nicht allein zu Thal, sondern auch zu Berg; er geht nicht bloss vertical abwärts, sondern damit abwechselnd, auch vertical aufwärts. Am lebhaftesten sind diese Bewegungen während des Vormittags, von dem Augenblick an, wo die Sonnenstrahlen den Gletscher erreichen, und betragen leicht 4 - 5 Centim. innerhalb einer halben Stunde, sowohl abwärts als aufwärts. Sie verringern sich Nachmittags und kommen gegen Abend in einen beinahe stationären Zustand. Ueber Nacht war das Resultat der Bewegungen des Punktes eine bedeutendere Verschiebung horizontal abwärts und eine geringere vertical aufwärts. Bei bedecktem Himmel sind alle Bewegungen schwächer, aber von demselben Charakter. Durch gleichzeitige Beobachtung zweier Signale ergab sich, dass sich verhältnissmässig nahe liegende Punkte des Gletschers nicht conform bewegen, dass z.B. der eine zu Thal wandern kann, während der andere zu Berg geht. Die speciellen Resultate der Beobachtungen werden demnächst veröffentlicht werden. Auf eine Frage des Herrn Platz erwiederte der Vortragende, dass die Beobachtungen nahe dem Rande des Gletschers angestellt worden seien.