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Über ein Braunkohlenlager, welches am Nordrande des Harzes erst in neuerer Zeit aufgeschlossen wurde

Beyrich

Kurzfassung

Herr Beyrich sprach über ein Braunkohlenlager, welches am Nordrande des Harzes erst in neuerer Zeit aufgeschlossen wurde und wegen seiner sehr abnormen Lagerung eine hervorragende Beachtung verdient in der Beurtheilung der grossen Gebirgsstörungen, von denen nicht nur das dem Harz nordwärts an- und vorliegende Land, sowie das vom Harze westlich bis zum Teutoburger Wald sich erstreckende Gebiet, sondern in ausgedehntester Weise auch das ganze Bergland zwischen dem Thüringer Wald und dem Ostrande des rheinischen Schiefergebirges betroffen wurde. Von Thale über Wienrode bis nach Cattenstedt unfern Blankenburg, d. ... in einer Länge von etwa 4 Kilometern, erstreckt sich ein schmaler, von einer braunkohlenführenden Tertiärformation eingenommener Saum, dessen Breite an keiner Stelle 100 Meter übersteigen mag, und der einerseits von dem Grauwackengebirge des Harzes, andererseits von dem Zuge der Steil aufgerichteten, in regelmässiger Folge geordneten Formationen des Buntsandsteins, Muschelkalks, Keupers und der oberen Kreideformation begrenzt wird. Die Braunkohle ist begleitet von Sanden, Kiesen und Thonen von gleicher Beschaffenheit wie in den Braunkohlenablagerungen, welche in weiterer Entfernung vom Nordrand des Harzes von marinen, unteroiigocänen Tertiärlagern bedeckt werden. Gegenwärtig sind innerhalb des bezeichneten schmalen Saumes zwei Braunkohlengruben in Betrieb, die eine - ein Tagebau - bei Wienrode auf braunschweigischem Gebiet, die andere nahe der braunschweigischen Grenze westlich von Thale. Die Braunkohle geht an beiden Punkten fast zu Tage aus, und nur die Bedeckung von hercynischem Gehängeschutt verhinderte das frühere Bekanntwerden des merkwürdigen Vorkommens.