Original paper

Über die Beobachtung von Räth und Lias innerhalb der Stadt Kassel

Hornstein

Kurzfassung

Dieses ganz vereinzelte Vorkommen ist als eine herabgestürzte Scholle zu deuten, und wird durch dasselbe ein weiterer Beleg für die einstmalige allgemeine Verbreitung dieser jüngeren Schichten in dem Gebiete geliefert, von welcher am Morgen Herr Beyrich geredet hatte. Es wurden Belegstücke mit Isodonta Ewaldi und Avicula contorta einerseits und mit Ammonites psilonotus, Mytilus psilonoti etc. andererseits vorgelegt. - Das Auftreten dieser kleinen Partie Räth und Lias, welche in Verbindung mit versteinerungsreichem, hornsteinführendem jüngerem Muschelkalk mitten im Wellenkalk- und Röthgebiet liegt, steht offenbar in innigem Zusammenhang mit den ebenfalls am Morgen durch Herrn Beyrich erwähnten gewaltigen Verwerfungen, welche auch in der Gegend von Kassel bemerkenswerthe Veränderungen in den Lagerungsverhältnissen im Gefolge hatten. Die Hauptrichtung der Verwerfungsspalten geht hier nahezu von Ost nach West; ein System secundärer Spalten verläuft zu jenen annähernd in senkrechter Richtung. Von Dechen erinnerte hiernach an die Dislocationen, welche zuerst im Zechstein zu Bieber und Riegelsdorf von J. Chr. L. Schmidt (1810) gründlich erforscht, dann aber auch in der Steinkohlenformation an zahlreichen Stellen und in grossartigem Maassstabe aufgefunden worden sind. In der Trias blieben so lange nur wenige bekannt, bis die einzelnen Glieder derselben genau untersucht und auf Karten in grösserem Maassstabe aufgetragen wurden, wobei dann auch hier zahlreiche Dislocationen sich ergaben. Es werden aus der Gegend von Aachen und Eschweiler Fälle grosser Dislocationen angeführt, wodurch die oberoligocänen Schichten neben das Steinkohlengebirge gerückt wurden. Auch auf den Zusammenhang von Dislocationen mit Faltung der Schichten und mit Ueberschiebungen wurde hingewiesen.