Original paper

Über die Bildung der Erzgänge aufgestellten Theorieen

Stelzner, Alfred

Kurzfassung

Herr A. Stelzner besprach die über die Bildung der Erzgänge aufgestellten Theorieen und insbesondere die neuerdings durch Herrn F. Sandberger mit besonderem Eifer wieder in den Vordergrund gestellte Anschauung, nach welcher das Ausfüllungsmaterial der in Granit, Gneiss und anderen krystallinen Silicatgesteinen aufsetzenden Erzgänge als ein Product der Lateralsecretion aufgefasst, d.h. aus den Mineralbestandtheilen der betreffenden Nebengesteine abgeleitet wird. Diese Annahme hat sich aus der schon durch die Forchhammer'schen Untersuchungen wahrscheinlich gewordenen und neuerdings durch Sandberger genauer erwiesenen Thatsache entwickelt, dass Feldspäthe, Glimmer, Hornblenden, Augite, Olivine etc., also gerade die häufigsten gesteinsbildenden Mineralien ausser kleinen Mengen von Baryum und Fluor auch noch Spuren von Nickel, Kobalt, Kupfer, Zinn u.a. Metallen enthalten. Ob nun aber, wie Sandberger meint, diese Elemente den genannten Silicaten von Ursprung an und als chemische Bestandtheile angehören, oder ob sie jüngere Infiltrationsproducte sind, die sich auf Haarspalten angesiedelt haben, dürfte wohl durch weitere chemische und mikroskopische Untersuchungen erst noch näher festzustellen sein, ehe man aus ihrem Vorhandensein die genannten Schlussfolgerungen zieht und ehe man diesen Schlussfolgerungen, wie das namentlich von einigen Gesinnungsgenossen Sandberger's geschehen ist, eine allgemeinere Gültigkeit für die Bildungsgeschichte der Erzgänge zuerkennt. Denn es darf nicht vergessen werden, dass man inmitten des z. Th. sogar stark zersetzten Nebengesteines zahlreicher Erzgänge Eisenkies, Arsenkies und andere Kiese in Krystallen antrifft, also Mineralien, die, wenn sie dem Nebengestein von Haus aus angehört hätten, gewiss zu den ersten Opfern der auslaugenden und secernirenden Thätigkeit gehört haben würden.