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Ueber die chemische Zusammensetzung der Glimmer.

Rammelsberg, C.

Kurzfassung

Unter den grossen Silicatgruppen sind die Glimmer in jeder Beziehung von hervorragender Bedeutung, nicht nur als Gemengtheile älterer und jüngerer Gesteine, als Resultat der Umwandlung anderer Silicate, sondern auch durch ihre physikalischen und chemischen Eigenschaften. Seit Hauy und Bournon über die Grundform in Streit geriethen, haben die Ansichten über die Krystallform mehrfach gewechselt, und sogar noch in neuester Zeit, nachdem die Krystalle vom Vesuv genau gemessen waren und man ihre Flächensymmetrie zur Entscheidung der Frage sorgfältig untersucht hatte. Diese Messungen hatten G. Rose 1844 zur Annahme des zwei- und eingliedrigen Systems geführt, während Marignac 1847 sich für das sechsgliedrige System entschied, einen anderen Glimmer (Binnenthal) aber für zwei- und eingliedrig hielt. Aus einer grösseren Zahl von Messungen am Vesuvglimmer zog Kokscharow 1854 den Schluss, die Krystalle seien zweigliedrig, in Folge einer Partialflächigkeit jedoch von zwei- und eingliedrigem Ansehen. Da nun zugleich die Basis sich als ein reguläres Sechseck ergeben hatte, so liess sich das System in rein geometrischer Hinsicht auch als sechsgliedrig betrachten. Dies letztere wurde 1866 von Hessenberg mit Entschiedenheit behauptet, welcher die rhomboëdrische Flächensymmetrie der Krystalle vertheidigte und in drei gegen die Basis unter 100° geneigten Flächen das Hauptrhomboëder erblickte, eine Ansicht, der auch G. vom Rath 1874 beitrat und der sich dann auch Kokscharow 1875 anschloss, wiewohl Jener darauf hinwies, dass dann eine Partialflächigkeit der Dihexaëder zweiter Ordnung etc. vorausgesetzt werden müsse. Mit dem Jahre 1877 tritt wieder ein Wechsel in den Anschauungen ein. Kokscharow kehrt zu seiner früheren Ansieht zurück, und Tschermak findet, dass jene drei supponirten Rhomboederflächen physikalisch verschieden sind, dass überhaupt die Vesuvkrystalle keine rhomboëdrische Flächensymmetrie besitzen.