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Cyprinenthon von Lenzen und Tolkemit in der Gegend von Elbing.

Berendt, G.

Kurzfassung

Im Sommer 1873, dem letzten meiner Thätigkeit in Ostpreussen, gelang es mir, bei Gelegenheit der kartographischen Aufnahme der Section Frauenburg, am Nordfusse der gleich einer isolirten Berginsel sich heraushebenden Trunzer Höhen, unweit des Städtchens Tolkemit, an zwei Stellen unverkennbare Schichten des nach seinen Schaaleinschlüssen benannten Cyprinenthones Meyn's aufzufinden. Ein damals bei einer Durchreise durch Berlin Herrn Beyrich vorgelegtes Handstück jenes Vorkommens war dem in der Berliner Universitäts-Sammlung befindlichen Handstücke von Holsteiner Cyprinenthon so vollkommen ähnlich, man kann sagen gleich, dass wir beide durch die Uebereinstimmung höchlichst überrascht waren. Aehnliche Thonschichten wurden und werden noch jetzt auf den Ziegeleien der etwas westlich von Tolkemit ungefähr 2 Meilen von Elbing gelegenen Dörfer Succase, Lenzen und Reimannsfelde im steil abgebrochenen Haffufer gewonnen. Es war jedoch damals trotz wiederholter Besuche nicht möglich, zumal bei schlechten Aufschlüssen, irgend bestimmbare Reste der auch hier vorkommenden Schaalen zu erhalten, und mir. bei meiner bald darauf erfolgenden Berufung nach Berlin daher nur noch möglich, Ziegelmeister und Ziegeleibesitzer möglichst für die Aufbewahrung etwaiger besserer Funde zu interessiren. Bekanntlich hat seitdem mein Nachfolger in der damals noch vereinten Provinz Preussen, Herr Jentzsch, wie derselbe in dem Berichte über die Durchforschung der Provinz Preussen 1876 mittheilt, auf Grund ihm von dem Besitzer der Lenzener Ziegelei, Herrn Mauermeister Schmidt, eingesandter besserer Schaalreste in den frischen Aufschlüssen letztgenannter Punkte (Lenzen und Reimannsfelde) das massenhafte Vorkommen von Ledu glacialis (Yoldia arctica) nachgewiesen und jene Schichten nach derselben Ledathone benannt. Als ich im Sommer dieses Jahres die mir vorbehaltene, seit langem immer verschobene Fertigstellung der Section Frauenburg, deren südöstliche Ecke damals der dort in dem Braunsberger Winkel ganz besonders wüthenden Cholera halber unvollendet bleiben musste, endlich zur Ausführung bringen konnte, war ich natürlich begierig, die Stellung der Lenzener Ledathone zu dem Tolkemiter Cyprinenthone festzustellen.