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Ueber einen Pendel-Seismograph.

Lang, Otto

Kurzfassung

Zur Ermittelung der Richtung, Zeit und Stärke einer Erschütterung, also auch eines Erdbebens, halte ich einen Pendel-Apparat für das geeignetste Instrument; den Plan eines solchen Seismographen erlaube ich mir in den folgenden Zeilen zu entwickeln, bei der Construction der auf Grund desselben ausgeführten Instrumente aber wird es sich empfehlen, besonderen Zwecken, sowie den Verhältnissen des Beobachtungsortes, für welchen das Instrument bestimmt ist, in den Dimensionen der einzelnen Apparat - Theile Rechnung zu tragen. Wenn ein aufgehängtes, in Ruhe befindliches Pendel mitsammt seiner Umgebung von einer Erschütterung getroffen wird, so muss dasselbe, da durch die Erschütterung Schwerpunkt und Aufhängepunkt aus einer Verticalen gerückt werden, zu schwingen (oscilliren) beginnen; die Erfahrung hat denn z.B. auch gelehrt, dass eine stillstehende Pendel - Uhr durch einen Erdstoss in Gang gesetzt wurde. Um die Stärke des Erschütterungsstosses zu ermitteln, würde sich nun als einfachster Apparat empfehlen, nur ein mit feinem Sande gefülltes Gefäss unterhalb des Pendels anzubringen, wie denn Seismographen solcher Art nach der Angabe von C.W.C. Fuchs in Italien gebräuchlich sein sollen; in die glatte Oberfläche der Sandmasse könnte die Pendel - Spitze einschneiden und man würde nach einer Erschütterung (einem Erdbeben) sowohl die Richtung des Pendel-Ausschlags genau mit dem Compass bestimmen, als auch die Weite (Amplitude) des Ausschlags mit dem Maassstabe genau messen und so, bei Kenntniss der Pendellänge, die Stärke der Erschütterung ermitteln können; allein es würde da, selbst wenn keine weitere Störung eintreten sollte, die Angabe vollständig fehlen, von welcher Seite der Anstoss erfolgt ist, ob z.B. von Nord oder von Süd, da das Pendel, einmal aus der Ruhe gebracht, nach beiden Seiten ausschlägt; ein solcher Seismograph wird sich also nur dann anzubringen empfehlen, wenn noch ein anderer daneben die Richtung des ersten Stosses verzeichnet.