Original paper

Ueber Schichtenstörungen im Untergründe des Geschiebelehmes, an Beispielen aus dem nordwestlichen Sachsen und angrenzenden Landstrichen.

Credner, Hermann

Kurzfassung

In Folgendem sollen Schichtenstörungen aus dem nordwestlichen Sachsen und angrenzenden Landstrichen geschildert werden, welche der mechanischen Einwirkung des skandinavisch-norddeutschen Inlandeises auf seinen Untergrund, also dem Gletscherschube, zuzuschreiben sind. Die Gelegenheit, die Einwirkung vorrückender Gletscher auf lockeren, nachgiebigen Untergrund, nämlich auf geschichtete Thon-, Lehm- und Kiesablagerungen beobachten zu können, ist nur selten gegeben. Die Mehrzahl der alpinen Gletscher ist seit Jahren im Rückzug begriffen oder stabil, die skandinavischen Gletscher sind z. Th. wegen ungenügender Verbindung schwer zu erreichen, und die grönländischen Gletscher schieben sich direct in's Meer, um dort zu kalben. Von dem fast allgemeinen Loose der Alpengletscher, an Terrain zu verlieren, machen nur wenige Eisströme eine temporäre Ausnahme, indem sie zuweilen eine nicht unbeträchtliche Strecke weit thalabwärts vorrücken, um sich dann wieder zurückzuziehen, so z. B. der Vernagtgletscher, der Suldener Gletscher, der Tourgletscher, der Bossonsgletscher und andere. Auf dem Areale, über welches diese Gletscher hinweggeschritten sind und welches sie dann wieder preisgegeben haben, ist der frisch entblösste Untergrund der Untersuchung erschlossen. In allen mir bekannt gewordenen Fällen ergab diese das unerwartete Resultat, dass die Kies- und Sandschichten, über welche sich der Gletscher neuerdings vorgeschoben hatte, vollständig unberührt in ihrer ursprünglichen Lage verblieben waren, also Stauchungen und Verschiebungen nicht erlitten hatten. Um diese Thatsache zu vergewissern, wandte ich mich an mehrere erfahrungsreiche Gletscherkundige, welche mir mit dankenswerthester Zuvorkommenheit ausführliche Mittheilungen machten.